Indien
Kommentare 1

Indien Foto-Reisebericht 20. April

Ende Foto Reisebericht Indien

Als wir uns von unseren Gastgebern in Jodhpur verabschieden, wissen wir wie sehr uns Bhavna und Chandra verwöhnt haben. Wir fahren mit dem Zug am letzten Tag unserer Reise von Jodhpur nach Jaipur, der Stadt, wo wir auf der Hinfahrt fast zu früh ausgestiegen wären. Die rosa Stadt hat ihre Farbe nach der indischen Farbe der Gastfreundschaft. Sie ist die Hauptstadt vom Land Rajastahan und hat etwa 2.5 Mio. Einwohner. Wir kommen an und warten einen kurzen Moment auf dem Bahnsteig, umringt von Trägern, die ihre Beute zu riechen scheinen. Unser Mann in Jaipur heißt Dushyant und ist ein sehr gebildeter und ausgesprochen freundlicher Mann. Er erklärt uns im Auto, dass an diesem Tage vier Denkmäler gespannt auf uns warten und wir überzeugen ihn freundlich, dass es davon nur eines werden wird: der Palast der Winde und der anschließende City Palace. Das wird uns reichen, denn wir haben die etwa fünf Stunden lange Zugfahrt am frühen Morgen noch in den Knochen. Außerdem hatte ich gestern noch meine Infusionen und will nichts übertreiben. Geraldine hatte auch die Schitteritis und Bruno-Sensei kommt gerade auf den Trip. Eshter-Sensei bekommt es zwei Tage später zu Hause. Das ist deutlich entspannter als die Situation ihres Gatten, der heute kaum auf Zugtoiletten gehen möchte und öffentliche Toiletten fast ebenso hasst wie ich.

Palast der Winde

Dushyant führt uns zum Palast der Winde, wo sich erfolgshungrige Inder auf uns stürzen, als wir aus dem Auto steigen, in einer lebensbedrohlich wirkenden Aktion unter Einsatz aller Aikido-Erfahrung auf die andere Straßenseite gehen, nur um dort wieder angebettelt zu werden und ein Foto von der Front des Palastes der Winde zu machen. Palast der Winde erinnert mich in meiner momentanen Gemütslage sowieso mehr an meinen Popo und macht Jaipur nicht zu meinem Traumziel. Lebendig zurück auf der anderen Straßenseite kommen wieder einige Inder, die wir bereits zu kennen scheinen, um uns etwas verkaufen zu wollen. Die verstehen einfach nicht, dass wir das dankend ablehnen. Vielleicht müssen wir am letzten Tag noch unseren Stil ändern? Der City Palace ist von innen nicht sehr fotogen. „Beautiful weapons“ sagt Dushyant ganz oft und meint die ganzen Stiletos, deutschen Pistolen und angeblich weltbesten indischen Schwerter. Dass uns, die wir doch auf japanische Shin-ken schwören! Ärgerlich der Patzer. Außerdem sind die indischen Schwerter fast alle gebogen. Man hat den Eindruck die wollen in gar keine Schwertschneide passen. Wie Waffen schön sein können bleibt mir sowieso verwehrt. Das hat wieder mal etwas mit den Werten zu tun.

Nun gut, der City Palace ist groß, hat uns aber nicht vom Hocker gerissen. Zu viele Touristen in unterbelichteten Zuständen laufen hier herum. Viele Europäer, die sich nicht nach der indischen Kultur richten und zu unbekleidet sind. Vielleicht Deutsche, die sich wieder mal nicht benehmen können. Ganz schlimm sind übrigens die Amis. Die laufen hordenweise falsch bekleidet durch Indien und man schämt sich ein bisschen für sie und alle andern die sich nicht anpassen möchten und keinen Stil zeigen.

Die nächste Station ist ein Restaurant. Es ist gut und wir haben unsere Defizite versucht zu füllen. Geraldine und ich haben nach der Reise immerhin drei Kilo weniger, was nicht auf die Qualität der Kost sondern vielleicht eher auf die Wärme und die Aufmerksamkeit zurück zu führen ist. Und natürlich auf die Entleerung des Darmes.

Danach geht es in einen Park, der auch unserem Fahrer und Dushyant sehr willkommen ist und in dem wir uns alle unter einem Baum auf den Rasen legen, um ziemlich schnell von gierigen mutierten Riesenameisen untersucht zu werden. Wir lernen hier auch unsere erste indische Maus kennen. Die große macht so eine Welle beim Ausschaufeln ihrer Gänge, dass ich sie fotografieren muss. Pass mal auf kleine Maus, dass dich keiner dieser vielen Greifvögel bekommt, die majestätisch in der Thermik gen Himmel schweben. Wir erfahren von Dushyant, dass die Zwangs-Vermählung in Indien eine gute Sache ist, die sich in seinem Falle bewährt und einen süßen Jungen als Resultat hervor gebracht hat. Dushyant möchte diesen in eine Privatschule schicken. Das kostet in Indien so etwa 2.000 Dollar im Jahr und ist eine Summe, die nicht jeder bringen kann. Unser Mann hat neben tollen Touris noch mit ISO-Zertifizierungen zu tun, ist überaus gebildet und wir trauen ihm zu, dass er es aufbringen wird. Wie aber sieht das aus, wenn man mehr als ein Kind zur privaten Schule schicken möchte? Und ob diese privaten Schulen wirklich so gut sind ist auch noch eine Sache, die wir gerne mal etwas näher betrachtet hätten. Wir lernen dass die Liebesheirat in Indien so gut wie nie hält was sie verspricht. In ganz wenigen Fällen bleibt das Paar zusammen. Man darf sich getrost fragen, wie viele Heiraten hier wirklich funktionieren und nur wegen der gesellschaftlichen Aberkennung und Ächtung zusammen bleiben. Alle Statistiken jedenfalls sagen da nicht viel aus. Glücklicher sind die Menschen hier vielleicht nicht, wohl aber vermutlich viel kompromissbereiter.

Delhi

Am Abend setzen wir uns in den Zug nach Delhi, wo wir mitten in der Nacht abgeholt werden, nach einstündiger Autofahrt mit der dicken Trompete am Hals in unserer Unterkunft etwa drei Stunden schlafen dürfen, um am nächsten Morgen übernächtigt in unseren Jumbo über London nach Düsseldorf zu gelangen. Der Flug von London nach Düsseldorf ist überschattet von zu kleinen Ginfläschchen, die nicht genügend Geschmack im Orangensaft produzieren. Wir lachen so laut, dass uns der Stewart zurecht weist, weil sonst keiner diese wirklich wichtigen niedlichen Videoclips zum Thema Notlandung hören kann. Ich frage mich immer wie viele bei den Clips an den Tod denken und ihn gleich wieder vor sich her schieben. Gleich danach unterhalten wir wieder den Flieger mit unserer Heiterkeit. Eshter-Sensei, das mit dem Gin werde ich nicht so schnell vergessen… ein Wunder dass Du Dir nicht noch einen gebrannt hast.

Zu Schaffen machen uns bei unserer Rückkehr vor allem die anderen Deutschen (ja zu denen gehören wir auf dem Papier ja auch, im Herzen jedoch sind wir noch lange Zeit in Indien). Wir benötigen etwa 10 bis 14 Tage, um uns an die Normalität zu gewöhnen und aus einem kleinen depressiven Loch wieder heraus zu kommen. Bei aller finanziellen Armut, die uns in Indien aufgefallen ist, muss uns wohl etwas anderes sehr beeindruckt haben: die extremen Gegensätze, Gefühle, Gerüche, Eindrücke, die Gastfreundschaft, die Menschlichkeit und das Lächeln der Menschen. Dabei haben wir so einige besondere Menschen getroffen, die etwas mehr „Aura“ hatten.

Die Reiseplanung von Bernd Symons (Kerala Discovery) war angenehm, aber ein bisschen zu sehr an normalen Touristenerwartungen ausgerichtet. Schließlich hätten uns etwas andere „Denk-mäler“ wie eine Schule, ein Ort für Meditation, etwas spirituellere Orte mehr interessiert. Aber es war gut. Die Reise hatte was. Ich würde sie wieder machen, vielleicht etwas sensibler geplant und in eine andere Gegend von Indien, denn das ist sehr groß. Aber Chandelao, der Ort, die Familien und die Gastgeber haben uns alle sehr beeindruckt und dahin würden wir gerne noch einmal, auch um etwas zu tun. Indien ist in jedem Falle eine Reise und etwas tiefere Gedanken über Werte, Kulturen, Religionen und Anschauungen wert.

© Mediendesigner und Fotograf Peter Roskothen Indien Foto-Reisebericht 20. April

1 Kommentare

  1. Esther sagt

    Peter,
    wir haben Dein Indienreisetagebuch gerne mitgelesen und jeden Tag mit Dir zusammen weitergeblättert.
    War eine intensive, wenn auch kurze Zeit….was sich in den schönen Fotos genau wiederspiegelt!
    Da fahren wir doch glatt noch Mal, vielleicht jetzt mal in den Süden?

    Danke
    Esther und Bruno

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.