Kultur, Leben & Tod, Musik, Philosophie
Kommentare 2

Grönemeyer – einer der großen Menschen

Der große Barde ist nicht erst seit „Mensch“ in aller Munde. Und ist auch nicht erst seit gestern ein Star. Schon vor vielen Jahren, lange bevor seine Frau und sein Bruder starben, hat Herbert uns allen gute Texte runtergenuschelt und musikalisch stilsicher beigebracht. Wer je auf seinen Konzerten war, weiß wie sehr er die Menschen berühren kann und wie man seine Lieder spätestens beim dritten Livebeitrag zu lieben beginnt. Nicht daß man alle seine Texte immer sofort versteht – Herbert Grönemeyer ist bei allem Rock ein Philosoph. Er ist derjenige, der in seiner Ruhrpottmanier über den Rock allen offenen Menschen ein bisschen Moral, Toleranz und Philosophie beibringen kann. Herbert ist einer der ganz wenigen, die es schaffen, Musik und Menschlichkeit zu verbinden, der darüber hinaus Millionen Menschen berührt und verzaubert. Nur diejenigen, das ist gewiß, die seine Musik wirklich mögen. Der „Mann“ ist einer der wenigen, der eine Meinung hat, nicht den vorgegebenen Pfaden folgt, sondern mit seinem Studium, seiner Lebenserfahrung etwas anfängt, was Sinn macht, nicht nur in der Musik, sondern auch in seinen Bemühungen um die Menschlichkeit.

Was war ich traurig als ich sein Stück „Der Weg“ hörte. Und es berührt mich auch heute noch sehr. Schöner kann man Liebe nicht herüberbringen. Was habe ich abgezappelt als ich „Männer“ oder „Bochum“ oder „Currywurt“ gehört habe. Lustige Lieder, besinnliche, tiefsinnige – sie alle verbindet unsere Menschlichkeit im Leben. Und Herbert führt alle diese Gefühle stilsicher zusammen ohne dabei wie ein Übervater zu wirken. Und doch ist er der Mensch, der heute viel mehr bedeutet als unser Bundespräsident oder unsere Kanzlerin. Denn er sagt was er denkt, ist sich sebst treu geblieben, er ist ehrlich aus tiefstem Herzen, er bleibt auf dem Teppich, handelt und ist immer auch ein bisschen demütig. Er gibt denen, die seine Musik mögen Hoffnung, Glück, wunderschöne Musik und viele Emotionen. Alles das sind doch die Dinge, die uns über den Alltag hinaus berühren.

Herbert Grönemeyer ist ein seltener Mensch und doch ist er in uns allen ein bisschen oder ein bisschen mehr vorhanden. Er ist der politische Mensch, der engagierte Mensch, der musikalische, der fröhliche, leidende, denkende, mitfühlende Teil von uns allen. Selbst wenn man seine Lieder nicht mag, so weiß man doch wer er ist und welche hervorragenden Botschaften er vermittelt. Wer ihn und seine Musik allerdings schätzt, der kann in seinen Texten mehr entdecken, als in anderen unrühmlich dummen halben Euro Stücken der neuen Musik. Der findet darin etwas einzigartig Lebendiges, etwas mit viel Drive, viel Energie und etwas was einen so hoch motivieren kann, alles zu versuchen im Leben. Alles das was Herbert vormacht: Glück und Ehrlichkeit besiegen die Tristesse.

So ist auch sein neues Album ein großer Lichtblick am Horizont der Menschlichkeit und Musik, in der er sich wie immer treu bleibt und uns vertraute aber auch (wenige) neue Klänge liefert – vor allem auch wieder intelligente Gedanken. Das neue „12“ ist ein super schönes Album, mit vielen guten und philosophischen Mitteilungen. Nein, das ist noch zu einfach. „Ein Stück vom Himmel“ greift auch gerade da an, wo wir uns alle schwer tun: bei der Toleranz, der Welt, in der ausgerechnet der Mensch immer wieder wie ein Fremdkörper wirkt. Es geht um die Religion, das Menschsein, um das Nichtsiegen. Ein wirklich guter Text, mit hinreißender Musik zum Mitsingen. Wer außer Grönemeyer schafft es solche Mitteilungen so gut zu verpacken und alle Menschen zu Hause und im Konzert nicht nur zum Mitsingen, sondern auch zum Mitnachdenken zu bewegen?

Lied fünf „FLÜSTERNDE ZEIT“ spricht mir politisch aus dem Herzen. Schön wenn jemand das Gefühl der Nation so auf einen Punkt bringen kann und gleich der jetzigen Regierung in Fussballmetaphern sagt, was genau sie verpasst „Aber ihr ohne Ideen weit und breit – Ihr passt nur zurück – Im Angriff liegt das Glück“.

„12“ ist eine große Scheibe, auf der man viel entdecken kann. „12“ ist nicht so toll wie „Mensch“, musikalisch nicht so abwechslungsreich, aber Herbert ist hier wieder wie das Ruhrgebiet: beständig, hoffnungsvoll, urehrlich und offen für Veränderungen. Er ist ein ganz großer Mensch. Seine neue Scheibe ist allen, die Grönemeyers Musik mögen, empfohlen.

Webseite: http://www.groenemeyer.de

2 Kommentare

  1. Holger Ehrlich sagt

    Stimmt, Grönemeyer ist einer der ganz Großen. Ein Künstler, der durch sein Werk und nicht wie viele seiner Kollegen durch Skandale berühmt ist.

  2. Georg sagt

    Die neue CD von Herbert finde ich nicht gut.
    Man hat das Gefühl alle Songs schon mal gehört zu haben.
    Zweiter oder dritter Aufguss.
    Er hätte besser im Zenit seiner Karriere auf hören sollen.
    Auch sein Fussball WM Song war sehr mager und ist auch nicht gut angekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.