Etikette, Fotografie, Indien, Leben & Tod
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Fotografie

Als Fotokünstler fällt mir nach unserer Reise noch was zum Thema Indien ein: In Deutschland ist jeder sofort um seine Persönlichkeitsrechte bemüht, wenn man ihn zufällig fotografiert. In Indien ist das ein Grund in die Kamera zu lächeln und sich zu freuen. Es fällt mir schwer zu verstehen warum das so ist; warum die Deutschen gleich Panik bekommen wenn sie ein Fotograf auf Zeluloid bannt. Liegt es daran, dass so viele Menschen fremd gehen und nicht mit der Freundin am Arm auffallen möchten? Oder hat es damit zu tun, dass jeder glaubt er hätte ein Recht und müsse es nutzen, obwohl er es nicht in Anspruch nehmen muss und ohne es wirklich zu kennen?
Damit kommen wir zu Umfragen wie der, von der Herr Sawatzki mir eben berichtete: Fragt man in Deutschland jemanden was der deutsche Begriff für ein eingedeutschtes englisches Wort ist wie Sandwich, kann keiner das erklären. Auf die Frage hin, was Brainstorming bedeutet, war die krasseste Antwort eines Interviewten (schönes deutsches Wort): „Ich komme aus der DDR, da haben wir so was nicht gegessen.“. In diesem Sinne…

5 Kommentare

  1. Claudia Scharf sagt

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mein Kommentar zu diesem Eintrag passt, aber es geht auch um Fotografie. Kennt jemand die Fotografin JILL GREENBERG ? Habe gerade einen Bericht über diese „Künstlerin“ im Fernsehen gesehen der mich wirklich entsetzt hat. Diese Frau fotografiert Kinder die weinen. Es sind aber keineswegs Zufallmomente in denen die Kinder weinen. Die Kinder werden absichtlich „geärgert“ in dem man ihnen Süssigkeiten anbietet und anschließend wieder weg nimmt – oder die Eltern wegschickt, so dass die Kleinen anfangen zu weinen. Bei dem Anblick der Bilder kann man meiner Meinung nach nur denken „die armen Kinder“ und ich weiss wirklich nicht was das mit Kunst zu tun haben soll. Es gibt doch schon genug Kinder auf der Welt, denen es wirklich schlecht geht, und die allen Grund zum weinen haben. Muss man sowas dann noch absichtlich erzwingen ??? Den Kindern mag es ja vielleicht nicht „wirklich“ schaden, weil sie nicht mit Gewalt zum weinen gebracht werden, aber ich finde es geschmacklos, dass Eltern so etwas überhaupt zu lassen!
    Bin auf weitere Meinungen gespannt….

  2. Nicolas Heiringhoff sagt

    „Die armen Kinder“ ist natürlich eine Aussage, die etwas zu einfach ist.
    Nun, im Endeffekt sind es ja auch arme Kinder, die Jill Greenberg hier fotografiert: die armen Kinder der (amerikanischen) Wohlstandsgesellschaft unter der Bush-Regierung, denn Sie gibt Ihren Arbeiten ja eine eindeutig politische Ausrichtung:

    Zitat aus der Süddeutschen: „Sie verpasst der Serie eine explizite politische Botschaft gegen die Bush-Regierung und gibt ihren Porträts Namen wie ¸¸Four more years“, ¸¸Intelligent Design“ oder ¸¸Misinformation“. Die Bilder erinnern Greenberg an ¸¸die Hilflosigkeit und den Zorn, den ich selbst über die politische und soziale Situation empfinde“

    Das ist es, was uns Kindern der Wohlstandsgesellschaft blüht: Was passiert, wenn uns die leckeren Süßigkeiten, einfach wieder weggenommen werden? Stellen Sie sich das mal vor!

    Traurig ist zudem die Tatsache, dass anscheinend ein Großteil des Publikums sich nur in durch die Massenmedien antrainierter Oberflächlichkeit und mangelndem Abstraktionsvermögen ergibt, anstatt ein bisschen mehr zu reflektieren.

    Eins hat Jill Greenberg jedenfalls erreicht: ihre Arbeiten haben eine Diskussion ausgelöst, sei es nun um die Bush-Regierung oder um Kinderpornografie. Und: das ist ja schonmal was.

  3. Christian Kölbl sagt

    Vielleicht hab ich die obigen Kommentare falsch verstanden, aber die Umstände unter denen diese Fotos entstehen finde ich völlig unhaltbar.
    Ob sie ihre Arbeit in einen politischen Gesamtzusammenhang bring oder nicht ist mir dabei relativ Schnuppe. Schließlich reißt man einem Fotomodel auch kein Bein ab, um auf die immerwährende Gefahr von Landminen in ehemaligen Kriegsgebieten hinzuweisen.
    Ich hoffe Miss Greenberg genießt ihre 15min des Ruhms.

  4. Peter Roskothen sagt

    Dazu paßt gut der Kommentar unseres Freundes Peter Sawatzki, und der vorhergehende Artikel von uns zu der Reportage über die Fotografen im Gazastreifen:
    https://www.ueberkritisch.de/?p=159

  5. Nicolas Heiringhoff sagt

    Der Zweck heiligt sicher nicht die Mittel, das ist klar. Die Umstände, unter denen die Arbeiten entstanden sind sind die eine Seite. Die Reaktionen darauf eine andere. Wenn bei dem Fotoshooting die Kinder gequält worden sein sollten, ist das natürlich nicht tragbar. (ich habe den Bericht im TV ja nicht gesehen, ich kenne nur den Bericht der SZ im Internet (http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/610/81529/print.html). Den Arbeiten aber mit Hitler-Vergleichen und Pornografie-Vorwürfen zu begegnen halte ich jedenfalls für deutlich übertrieben.

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