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Von und zu Guttenberg und die Aufrichtigkeit

Meine eigene  Zugehörigkeit gehört eher ins Ruhrgebiet als an den Niederrhein. Im Ruhrgebiet sind die Leute offen und ehrlich, knapp an Worten und daher sehr liebenswert für mich. Vor allem rennt keiner weg wenn Du ihn ansprichst und nach dem Weg oder Uhrzeit oder nach seiner Meinung fragst.

Eine meine liebsten Erlebnisse führt mich zurück in mein Praktikum bei der Firma meines Onkels Bernd. Ich habe damals den LKW gefahren und kam an ein Gelände, wo ich den Weg nicht wusste. Ich sah linkerhand eine Bude (so nennt man im Ruhrgebiet einen Kiosk) mit lauter Menschen davor beim Früüüstück. Also hielt ich knapp vor einer Firmeneinfahrt an der rechten Seite, weil man mit einem LKW nicht mal so eben in eine Parklücke reinkommt. Ich gehe rüber und frage die Kumpels nach dem Weg. Selbst war ich im Fernfahrer-Blaumann und von der Zugehörigkeit meiner Gedanken auch immer lieber beim Volk als beim arroganten Geld. Hinter mir höre ich ein Hupen und als ich mich herumdrehe, sehe ich einem dicken Mercedes. Als nächstes steigt der sehr arrogante Fahrer aus und kommt auf mich zu (also auf die Bude), droht mir mit der Faust und beschimpft mich, er könne nicht in die Einfahrt der Firma fahren. Hier fing es jetzt an lustig zu werden, denn er war doppelt so schwer und kräftig wie ich dünnes Hemd damals war. Womit er aber nicht gerechnet hatte waren die Fernfahrer-Kumpels vor der Bude. Die meinten nämlich jetzt zu dem Bonzen er könne da prima reinfahren und gingen schon mal ein paar Schritte auf ihn zu. Es waren so etwa vier Burschen, die wiederum jeder doppelt so kräftig wie der Bonze waren. So schnell habe ich noch nie einen in seinen Mercedes steigen und in die Einfahrt fahren sehen.

Das Erlebnis war sicherlich prägend für mein Verständnis von Politikern wie zu Guttenberg.

Den aufrichtigen und hart arbeitenden Leuten unter uns kommt das Verhalten von zu Guttenberg einfach suspekt vor. Einerseits diese unendliche Arroganz mit der er erst sämtliche Schuld in der Dokotorarbeit von sich weist, dann wie er über die Presse schimpft und wie er sich versucht aus der Affäre zu ziehen indem er seinen Doktor „ruhen lassen“ will (was gar nicht möglich ist) aber keinesfalls bei sich selber die Schuld sucht. Seine Einsicht vor Kameras zu sagen, daß er Fehler gemacht hat kommt zu spät. Da ist schon klar, daß nur der Druck der Bevölkerung, des Internets (den hat er deutlich unterschätzt) und der Presse zu dieser Einsicht und dem Lippenbekenntnis führt. Und erschwerend kommt hinzu, daß er sich weiter von ein paar Menschen feiern lässt, die sein Verhalten gut finden.

Aber: mir missfällt einfach die Art wie er zwei Regeln macht. Er entlässt den Kapitän der Gorch Fock und beteiligt sich damit aktiv an einer Vorverurteilung und selbst ist er nicht in der Lage, zurückzutreten. Das wäre nämlich die Konsequenz aus seinem Top-Down Verhalten, welches er in extrem arroganter Art überall ausübt. Nichts darf uns darüber hinweg täuschen, daß dieser Mann über Leichen geht. Er mag auch eine liebevolle und gute Seite haben, die er aber entweder aus Angst nicht zeigt, oder weil er die Macht hat. Gebe einem Menschen Macht und Du erkennst sein Wesen. Herrn zu Guttenberg täte ein weniger arrogantes Auftreten und mehr Aufrichtigkeit gut. Daß hat er nicht gelernt, kann es aber noch lernen, denn er ist noch jung. Und so jung macht man auch Fehler, z. B. in der Doktorarbeit oder mit dem Kauf des Titels durch einen vermutlich sehr CSU-nahen Professor, der jetzt in Urlaub abgetaucht ist. Zu Guttenberg muss verstehen, daß Deutschland keine Lust hat auf diese mafiaähnlichen Strukturen und Verfilzungen von Bayern. Schon Franz-Josef war Lehrmeister für Abschaum wie Berlusconi und diese Verfilzung passt genauso wenig in deutsche aufrichtige Politik wie Aufsichtsratposten bei Unternehmen, denen man die Weichen für hohe Erträge gestellt hat (siehe Gartzweiler und Herrn Wolfgang Clement von einer anderen Partei).

Die Chance von Herrn zu Guttenberg ist es aus dieser Sache zu lernen, auf die Erde zurück zu kommen und wieder für seine Bürger da zu sein. Mir scheint, daß heutzutage Politiker und andere öffentliche Bedienstete ganz oft vergessen, warum sie im Amt sind und von wem sie ihr Gehalt beziehen. Der Verrat am Bürger ist nicht gefragt Herr zu Guttenberg. Genauso wenig wie Unehrlichkeit über eine Doktorarbeit und mangelnde Einsichten. Es ist an der Zeit sich bei Ihren Bürgern zu entschuldigen für diese Arroganz. Denn von denen bekommen Sie Geld und zu denen hat man verdammt noch mal anständig zu sein.

6 Kommentare

  1. Francisco sagt

    Das erinnert mich stark an den Fall Frau Käßmann, ex-EKD Chefin, die mit ein paar promille im (Dienst-)wagen von der Polizei 2010 erwischt wurde. Nur in ihrem Fall war die öffentliche Meinung eh auf ihrer Seite, ich kann mich erinnert gelesen zu haben „wer ist nicht mit ein paar Bier gefahren?“/ „warum macht man eine Tragödie daraus?“ und ähnliches. Dabei ging es, wie Peter zurecht sagt, genauso auch um Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, die insbesondere bei Personen, die eine Vertreterfunktion in den Medien üben, vorbildlich sein müsste. Mindestens war Frau Käßmann nicht so arrogant und ist kurz darauf zurückgetreten, allerdings aber auch, nachdem die Medien den Fall „aufgedeckt“ hatten und nicht vorher…

  2. Peter Wilhelm sagt

    Zwar ist der Adel abgeschafft, aber wenn ich mir solche Leute anschaue und sehe, wie diese sich geben, dann merke ich immer wieder wie die sich für was Besseres halten.

    • Anita sagt

      Sie sind ja auch was Besseres.
      Schliesslich lebt ein Groszteil der Leute von dem, was ihre Vorfahren zusammengeraeubert haben und nicht von echter Arbeit.
      Solche Leute sind die wahren (Erb-)Schmarotzer der Gesellschaft, nicht der kleine Hartzi, der sich in seinem Elend irgendwie eingerichtet hat.
      Diese Leute leben von der Arbeit anderer und zwar extrem gut.
      Die muessen was Besseres sein, sonst wuerde man ihnen das doch garnicht zugestehen.

  3. Du wirst sehen, dass sich dieser Herr nicht ändern wird. Er wird weiter schnellschießen und herumeiern und uns schöne Bilder von sich liefern.-
    Info der Rh.P. vom 24.2.: Ein Offizier ist an der Bundeswehr-Universität München als Plagiator überführt und anschließend degradiert worden. Der Mann habe eine Examensarbeit abgegeben, die er abgeschrieben hatte, sagte ein Uni-Sprecher. Die Anfertigung eines Plagiats gilt an Bundeswehr-Unis als dienstrechtliches Vergehen und kann disziplinarisch geahndet werden. Bei schweren Vergehen, etwa wenn ein Student einen Ghostwriter engagiere, sei derjenige „als Offizier nicht mehr zu halten“.
    Ein weiterer Kommentar ist wohl überflüssig!

  4. Francisco sagt

    Ich habe gestern in den Nachrichten gelesen:„Am Montag räumte er schließlich „gravierende Fehler“ in seiner Arbeit ein und erklärte, auf den Doktortitel dauerhaft verzichten zu wollen“ … und das ist alles!

    Er soll gesagt haben: „und deswegen ziehe ich die Konsequenzen daraus und verzichte auf meinen Doktortitel“.

    In etwa entspricht das der Aussage eines Bankräubers der, auf frischer Tat ertappt sagen würde: „O.K. ich habe doch die Bank überfallen, ich gebe ja das Geld zurück, was wollt ihr denn noch von mir?“

    Von Prinzipien und Anstand keine Spur

  5. Pedant sagt

    Jetzt lasst ma unseren zukünftigen Kanzler schon in Ruhe. Der ist halt von und zu, der darf was mehr als das normale Pöbel. Kompetenz -> Verantwortung -> Privilegien. So läuft dat!

    Und das Volk mag den ja weiterhin und sogar noch mehr, seine kleine Fehler machen den halt noch attraktiver. „Adel, aber halt auch wie wir“ – so denkt sich Tante Heidi in der Küche.

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