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Heute in der Pizzeria

Hugo

Hugo„Gaston“ ist eine alt eingesessene Pizzeria, bei der niemand so recht unterscheiden möchte zwischen italienischem Restaurant oder Pizzeria. Jedenfalls ist der Laden sehr beliebt und wenn man zur Hauptessenszeit einen Tisch möchte, versucht man das besser nicht mit sechs Personen ohne Voranmeldung. Wir hatten uns heute Abend zu einem Besuch entschlossen, stehen in der Empfangsecke und warten geduldig, bis die Chefin uns einen Tisch sucht. Die Herrschaften hinter uns überholen dreist und gehen mal einfach los, um selber einen Tisch schneller zu sein. Dem Himmel sei Dank fällt das irgendwie auf und wir werden von der Chefin als erste angewiesen. Manchmal siegt doch die Gerechtigkeit.

Wir bestellen und müssen uns ein wenig in Geduld üben, denn der Laden ist brechen voll. Meine Frau bestellt einen „Hugo“ und ich einen Weißwein, was sich schnell als Fehler herausstellt, denn auf den Hugo habe ich als die Getränke serviert werden, viel mehr Lust. Mit neidischen Augen schiele ich in Richtung Fremd-Hugo. Meine Frau kennt mich gut genug und  bemerkt das schnell: „Magst Du einen Schluck?“. „Nein danke, Liebe, ich habe ja meinen Weißwein.“ antworte ich, nicht ohne den Vorsatz nach dem Weißwein direkt auch noch einen Hugo zu bestellen. Meine Frau lächelt und denkt sich ihren Teil.

In der Nische vor unserem Tisch sind vier Damen untergekommen, die vielleicht einen Damenabend verbringen. Allerdings legt das recht unterschiedliche Alter von ca. 14-35 Jahren eher den Verdacht nach Verwandtschaft nahe. Gegenüber hat sich ebenfalls ein (fast) Damentisch gruppiert. Dort wird eine Hauptspeise vorab serviert. Die drei anderen Tischnachbarn machen sich sofort über diese Speise der belieferten Dame her. Offenbar hat sie dies angeboten und da die drei anderen noch etwas auf ihre Pizza warten, bleibt der Ersten nicht viel übrig.

Dahinter setzen sich Vater, Mutter und Sohn an einen Tisch. Offenbar haben die Drei Hunger. Als die Familienpizza mit einem wahnsinnigen Ausmaß geliefert wird, haben die drei kaum noch Zeit, um von zwei Seiten Fotos mit einer digitalen Spiegelreflex zumachen. Vater hatte vorher schon zwei Bier intus und kann sich kaum bremsen.

Unglaubliches spielt sich am Tisch dahinter ab. Ein Ehepaar mit gepflegtem Äußeren hat sich Pasta und Pizza bestellt. Die Dame überrascht mich so sehr, daß ich fast meinen Weißwein über den Tisch pruste. Sie nimmt ein riesiges Stück Pizza auf die Gabel, öffnet den Mund und schiebt das Stück senkrecht in den Mund. Ich esse wirklich schnell und gerne und nehme selbst große Stücke auf die Gabel, aber das toppte wirlich jegliches Ausmaß. Meine Augen wurden eher noch größer, als die Dame gleich darauf ohne zu Kauen noch ein Stück nachschiebt. Der Herr ihr gegenüber, vermutlich der Gatte, speist selber mit Löffel und Gabel Pasta. Vermutlich also kein Italiener, der Mann. Mein Mitgefühlt hat er als die Dame mit ihm redet, dabei aber den Mund ziemlich voll hat. Zudem schiebt sie gleich darauf das nächste riesige Stück Pizza nach. Mir stellt sich ein Gefühl ein, daß die Pizza den Kampf schnell aufgeben wird.

Unser eigenes Essen wird, wenn auch sehr lecker, schnell zur Nebensache. Ein Baby kreischt aus vollem Hals heraus in Tönen, die kaum eine Stereoanlage schaffen würde. Als die drei Pizzen vom Fast-Damentisch kommen, ist die erste Dame erleichtert sich alleine ihrer Hauptspeise widmen zu können.

Die Familienpizza ist zu fast zwei Dritteln eliminiert, als sich Vatter das vierte Pils ansetzt. Es scheint aber die Pizza nicht verdrängen zu können, denn mit hochrotem Kopf sieht es so aus, als würde die Pizza den Kampf gewinnen. Der Sohn hat den Mund so voll, daß er nicht weiß wie er kauen soll. Er schafft es mit atemberaubenden Mundbewegungen sogar ohne ein Stück zu verlieren.

Ich riskiere wieder einen Blick in Richtung des noblen Ehepaares, stelle aber fest, daß die Gabeltaktik lang einstudiert sein muß. Immer wieder schiebt die Dame das nächste Stück Pizza senkrecht in den Mund und muß dabei die Zähne wirklich arg auseinander nehmen. Ihr Ehegatte hat den Blick über seine Pastaschüssel gesenkt. Offensichtlich blickt er auf lange Erfahrung mit seinem Gegenüber zurück.

Noch ein Schrei des Babys, bei dem einem sogar der Hugo im Halse stecken bleiben kann und dann wird uns endlich als Erlösung der Macchiato und ein Limoncello serviert. Beide sind eine Art Wiedergutmachung für die Kampfszenen die sich am Abend abspielten. Ich hätte ja nicht hinsehen müssen. :-)

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