Aikido, Budo, Etikette, Philosophie
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Frage: was ist Ehre?

Natürlich wurde das Thema auch durch Aikido zu Tage gefördert. Schließlich fragt einen das kaum einer unvermittelt auf der Straße, einfach so aus Spaß.

Gestern hatte W. eine gute Erklärung zu dem Begriff (sinngemäß wiedergegeben): Ehre habe etwas mit Ehrerbietung zu tun. Damit, daß man seine Freunde und Verwandte hoch schätzt. Wer diese Menschen verletze, der verletze auch deren und/oder die eigene Ehre.

„Ehre“ ist sicher kein ganz einfacher Begriff. Wikipedia sagt dazu: „Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit… Durch Missachtung des Kollektivs wird der Einzelne, durch Missachtung des Einzelnen wird sein Kollektiv getroffen (vgl. die Ehrverletzung)“.

Auch beschreibt Wikipedia die Ehre als eine Tugend. Das kommt mir komisch vor. Vielmehr scheint mir in diesem Zusammenhang die Pietät eine Tugend. Pietät hat in meinen Augen mit dem Respekt zu tun. Damit, jemandem seine Würde zuzugestehen, ihn wertzuschätzen.

Mir hat mal ein Iraner in einer Studentengemeinschaft gesagt: „Alle deutsche Frauen sind Huren.“. Ich fand das im ersten Moment ziemlich dumm und aggressiv. Aber der Mann kommt aus einem anderen Kulturkreis und sagte was er dachte. Hätte er das über türkische Frauen gesagt (das hätte er sicher nicht getan), hätte er wahrscheinlich nicht lange zu leben gehabt. War das eine Ehrverletzung unserer deutschen Frauen? Sicherlich war es das und noch dazu wenig mitfühlend formuliert. Ein schwieriges Thema mit der freien Meinungsäußerung und der Ehre, der Pietät, Etikette und allen dazugehörigen Tugenden.

2 Kommentare

  1. Klaus Wenz sagt

    „Ehre ist
    das Beachten und Verteidigen der nachhaltig gespeicherten Vorstellungen, Erfahrungen und Überlieferungen von Individuen und Gruppen.“

  2. Mac Kasperek sagt

    Ehre ist oft auch Ausgang oder Ziel von Handlungen/Nichthandlungen und Aussagen/Schweigen. Ausgang, d.h. man tut oder sagt etwas oder auch nicht um der Ehre Willen, also um seine Ehre zu bewahren/zu erlangen/zu schützen. In der Juristerei ist auch das Abzielen auf die Ehre der anderen bekannt, also Ehrabschneidung/Ehrverletzung.
    Was aber ist, wenn Ehre als Motiv einer an sich unehrenhaften Handlung dient? Beispiel Helmut Kohls Ehrenwort: Er hält sein Wort (was seiner Ehre gemäß sein soll), um Straftäter zu schützen (was generell sicher nicht ehrenhaft ist). Wo bleibt da die Tugend?
    Von dem komplexeren Szenario bei sogenannten „Ehrenmorden“ möchte ich an dieser Stelle erst gar nicht anfangen. Aber ist es so, dass in manchen Fällen von unehrenhaftem Verhalten (oder gar Straftaten) die „Ehre“ als Motiv vorgeschoben wird, um sich selbst und eine abstoßende Tat in einem besseren Licht erscheinen zu lassen (krasses Beispiel: „Meine Ehre ist Treue“ als SS-Leitspruch, „Blut und Ehre“ als Kernelement der Neonazi-Ideologien)?

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