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Automobilindustrie – Abwrackprämie

Die Automobilindustrie steckt offenbar in einer schlimmen Lage. Zunächst hieß es, daß tausende Autos auf Halde stünden, jetzt sind keine Wagen da um die Nachfrage zu erfüllen. Ich vermute den Grund zu kennen: alle wollen kleine Autos mit wenig Spritverbrauch. Denn die Verbraucher sind nicht dumm. Sie wissen, daß die Spritpreise wieder klettern werden.

Das Schlimmste an der Sache ist, daß auch ein Opel Corsa D mit 1.2 Litern Hubraum und 80 PS noch 8.2 Liter in der Stadt verbraucht (Quelle: ADAC). Das ist schlicht viel zu viel. Und so hat sich die Branche sehr lange mit höher und breiter gelegten SUVs beschäftigt, hat Allradantrieb und Luxus produziert, aber mein persönliches Verlangen liegt in einem Kleinwagen, der weniger verbraucht. Nämlich maximal 6 Liter in der Stadt. Geht Ihnen das auch so liebe Leserin/lieber Leser?

Jetzt ist das also so, daß ein Kempener Fiat Autohaus bereits Lieferzeiten von 3 Monaten auf Punto hat (Grande Punto, 1.2 Liter, 60PS, innerorts 8.0 Liter, Quelle ADAC) und keine Garantie gibt, daß die Abwrackprämie übernommen wird. Sprich: man bekommt keine Garantie, daß in drei Monaten bei Lieferung auch noch die Prämie kassiert werden kann.

Und während hier der große Prämienkauf statt findet, brechen der Automobilindustrie die Zulieferer weg. Die Zuliferanten wurden zu einem Teil von amerikanischen Investoren übernommen (Heuschrecken), die das Geld nahmen und die Firma sterben ließen. Ausverkauf vom Feinsten also. Zudem haben alle Autohersteller die Zuliferer so lange im Preis gedrückt, bis diese keine Notfallreserven mehr hatten, ein Ab nach dem Auf der Wirtschaftslage also nicht überleben konnten. Wirtschaftkirse hausgemacht in Deutschland. Made in Germany hat jetzt eine neue Wertigkeit bekommen.

Gleichzeitig gibt der Staat das Geld der Bürger aus, um diese wirtschaftlich schweren Fehler von höchstbezahlten Managern der Automobilhersteller wieder aufzufangen, weil sonst mit der Autokrise auch der Rest von Deutschland den Bach runter geht.

Ehrlicher wäre es sicher gewesen, die Mehrwertsteuer auszusetzen, um auch Familien, die bereits 2007 oder 2008 ein Auto gekauft haben, in den Genuss der Vorteile kommen zu lassen und auch um alle Gewerbetreibenden in Deutschland gleichermaßen am erzwungenen Aufschwung teilhaben zu lassen. Ich fürchte die Abwrackprämie ist im Grunde höchst verfassungswidrig.

Die Abwrackprämie ist außerdem zurecht geschustert, da die Schrottpressen nur eine Kopie des Fahrzeugscheins bei der Behörde einreichen müssen. Sie können gute alte Autos also theoretisch widerrechtlich verschiffen. Und damit ist dann der Ökologiegedanke, der sowieso nur vorgeschoben ist, ganz außer Kraft gesetzt, denn Afrika ist auch nur vor der Haustüre und die Abgase ruinieren dort unser Klima weiter. Ganz davon abgesehen, daß der Neubau eines Autos so enorm an der Klimakatastrophe beteiligt ist und es viel ökonomischer wäre Autos 15 – 20 Jahre lang zu fahren.

Die Regierung, allen voran Frau Merkel, ist – und das ist sie nicht erst seit kurzem – also völlig unfähig. Zunächst hätten schärfere CO2 Gesetze vor langer Zeit dazu geführt, daß die Industrie den Wunsch nach weniger Verbrauch bereits heute erfüllen könnte. Dann hätten wir vermutlich auch keine so große Krise, weil dann auch in den USA plötzlich die deutschen Autos besser liefen. Schließlich ist man dort auch aufgerüttelt worden, als die Ölpreise in astronomische Höhen schossen.

Schließlich wäre eine Aussetzung der Mehrwertsteuer allen entgegen gekommen. Und ich behaupte einfach mal, daß die Bevorzugung der Automobilindustrie der falsche Weg ist. Nicht weil ich dagegen bin eine Branche zu unterstützen (weit gefehlt), die Jahrelange Entwicklungen verschlafen hat, sondern weil es Deutschland besser ginge wenn alle Wirtschaftszweige unterstützt würden.

Es geht nämlich nicht nur der Autoindustrie schlecht, sondern auch verschiedenen anderen Branchen wenn kein Geld mehr ausgegeben wird. Übrigens Banken, die sich verspekuliert haben, haben in meinen Augen keine Unterstützung verdient. Und wenn dann nur, wenn auch die zukünftigen Gewinne über lange Jahre hinweg in den Staatssäckel zurückfließen und die Manager und Mitarbeiter maximal 300TSD EUR pro Jahr verdienen. Ohne Boni und mit Überwachung durch Finanzbeamte.

Aber das ist nur meine kleine persönliche Meinung.

3 Kommentare

  1. Holger Ehrlich sagt

    Die jetzige „Wirtschaftskrise“ ist die unmittelbare Folge der Finanzkrise. Tatsächlich aber versuchen viele Konzerne jetzt ein Stück vom staatlichen Geldregen abzubekommen, und stellen ihre sonst für die Börse geschönten Bilanzen jetzt negativer dar als sie tatsächlich sind. Natürlich werden weniger Autos verkauft, wenn die Leute in eine wirtschaftlich unsichere Zukunft schauen müssen, aber Absatzprobleme haben die Automobilbauer schon häufiger gehabt, gerade auch im Winter.
    Unser Finanzsystem steckt in der Krise, aber das ist kein Grund für diesen staatlichen Aktionismus. Das hätte der frei Markt, nach dem die Unternehmer sonst so laut schreien, auch selbst geregelt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Verhalten des FDP-Vorstizenden Westerwelle, der als einer der Lautesten nach Staatshilfen für Unternehmen schreit! Was wir momentan erleben, ist die Verwandlung virtuellen Geldes in reales Geld. Die Banken und Großkonzerne haben sich eine neue Einnahmequelle erschlossen, den Staat.
    Natürlich hätte es global gravierende Folgen, wenn mehrere Großbanken pleite gingen, aber die Folgen der staatlichen Geldgeschenke sind nicht einmal umrisshaft abzusehen. Wenn der Staat schon Geld an die Banken vergibt, dann als Kredit zu banküblichen Zinsen! Und Manager, die katastrophale Fehler begehen und sich anschließend von staatlichen Hilfsgeldern Milliarden an Boni genehmigen (siehe Merrill Lynch), gehören in den Knast! Überhaupt sollten Manager viel stärker persönlich für ihre Fehler haften. Wer zwei- oder gar dreistellige Millionengehälter kassiert, der muss persönlich Verantwortung übernehmen, und für entstandenen Schaden auch mit seinem Vermögen haften.
    Das ist meine professionelle Meinung als Ökonon.

  2. Peter Roskothen sagt

    Lieber Holger,

    habe vielen Dank für diesen sehr guten Kommentar mit Hintergrund. Ich freue mich sehr (!), daß Du noch bei mir liest und kommentierst. Das ist eine der besten Nachrichten in diesem Jahr.

    Herzlichen Gruß, Peter

  3. Holger Ehrlich sagt

    Ich habe das Bloglesen nicht grundsätzlich aufgegeben. Allerdings ist die Frequenz von mehrmals täglich auf ein- bis zweimal wöchentlich gefallen, was meinen übrigen Aktivitäten sehr zu Gute kommt.

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