Menschliches, Satire
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Sparversuche

Ich bin vom Typ her eher der Jäger und Sammler. Das führt dazu, daß wir im Vorratskeller etwa 10 Dosen Tomatensauce mit Basilikum haben und das Verfallsdatum bei einigen dieser Kartons doch schon bedenklich weit fortgeschritten ist. Auch ändert sich mein Geschmack häufig, was dazu führt, daß wir dann z.B. eine Menge Gewürze haben, die ich nie im Leben wieder benutzen werde. Von meiner liebsten Gattin höre ich öfter so Sprüche wie: „Wir hatten doch noch 5 Dosen davon, jetzt hast Du schon wieder neue Rucculapesto gekauft!“.

Meine liebste Gattin hört dann von mir oft Sätze wie „Die wird schon nicht schlecht werden“, aber schon bevor ich das ausgesprochen habe kenne ich die Antwort: „Jaja, das kennen wir schon. Deshalb muss ich den Kram dann wegschmeißen. Ich hasse es Lebensmittel wegzuschmeißen.“

Meine Sammelwut hat groteske Züge. Als wir umgezogen sind musste ich zig Mal zur Abfallentsorgung, weil ich Kram aufbewahrte, die Obdachlose nicht sammeln würden. Manchmal sind es Verpackungen, die ich verwahre weil es ja sein könnte, daß ich die in 10 Jahren mal für den Versand eines versteigerten Buches verwenden könnte. Tatsächlich würde ich den Karton dann gar nicht wiederfinden, weil ich ihn nicht an Ort und Stelle aufverwahrt habe, aber seis drum. Wichtig ist mir erst mal das Sammeln.

Meine Jagdleidenschaft führt auch dazu, daß wir oft Tiefkühlkost haben, die keiner mehr kennt und von deren Existens ich schlicht überrascht bin. Persönlich würde ich es nur alle drei Jahre merken, denn alle drei Jahre etwa packt mich die Sparleidenschaft und ich taue den Tiefkühlschrank ab. Einfach weil der sonst zu viel Energie frisst. Das ich den ganzen Froster gar nicht bräuchte, wenn ich nicht immer Endzeitalpträume hätte ist eine ganz andere Sache – über die reden wir hier bitte nicht.

Meine Frau stöbert so alte Dinge im Froster auf, denn sie schafft es bei jedem Besuch des Tiefkühlschrankes, alle Schubladen herauszuziehen und alles zu durchsuchen. Wenn ich das mitbekomme, werde ich jedes mal überaus nervös, denn ich bin ja zum Energiesparen erzogen worden und weiß, daß man ein Scheunentor öffnet und die ganze Tiefkühlkost wieder runtergekühlt werden muß. Wie zum Beweis läuft zeitgleich zu meinen Bedenken dann der Motor des Schrankes an und bestätigt meine seelische Misere.

Gleiches gilt für Türen im Winter: wie kann man die Schiebetüre des größten Raumes bloß minutenlang offen stehen lassen, um einen Apfel aus dem Wintergarten zu holen? Nun ja, denke ich oft, mache ich die Türe eben hinter meiner liebsten Gattin einfach zu und öffne wieder, wenn sie zurück kommt. Aber das löst fast einen Ehekrach aus, denn meine Gattin findet es viel schlimmer ausgesperrt zu sein, als die Energie mit beiden Händen aus dem Haus zu werfen.

Zusätzlich versuche ich nach und nach die alten Glühlampen im Haus durch Energiesparende zu ersetzen. Das Problem ist nur, daß meine Frau den Tausch sofort bemerkt, denn die neuen Lampen zünden ja wie eine Neonröhre erst und werden nur langsam hell. Wenn ich mal eine Birne austausche und diese gleich eingeschaltet lasse, weil meine holde Gattin sowieso überall tagelang Licht anlässt, dann bemerkt sie den Tausch an der Farbtemperatur. Die meisten neuen Energiesparbirnen produzieren ja ein eher kaltes Licht und das bemerkt meine Frau im Gegensatz zu Energieverschwendung innerhalb von Sekundenbruchteilen. Da heißt es gleich „Du hast doch wohl nicht die Glühbirne durch eine scheußliche Energiesparbirne ersetzt?!“ Ich antworte „Doch, es spart eine Menge Geld.“. Allerdings kenne ich auch diese Antwort hierauf schon vorher: „Aber die machen so ein scheußliches Licht!“.

Ich erzähle meiner Frau besser nicht, daß im Vergleich zu solchen Spar-Bemühungen, der uralte 2 Prozessor-Computer auf Basis eines Servers fast ein eigenes Atomkraftwerk benötigt. Ich finde es wäre nicht fair, würde sie mir das jedes Mal vorhalten, wenn ich wieder einmal mit äußerster Phantasie versuche Energie zu sparen. Deshalb bitte Psssst – darüber reden wir hier besser nicht.

3 Kommentare

  1. Holger Ehrlich sagt

    Warum kommt mir das nur so bekannt vor? Der Artikel hätte auch von mir sein können, denn hier läuft es ganz genau so. Nur dass ich hinter Ehefrau und Sohn herlaufe um Lichter und sonstige Verbraucher auszuschalten.

  2. Claudia Kölbl sagt

    Wenn Frauen sich im Wohnzimmer befinden und im Badezimmer brennt noch Licht, dann gibt es einen Grund dafür: Sie sind im Bad noch nicht fertig :-)
    (fragt mal Mario Barth)

  3. Georg sagt

    Du leidest wahrsceinlich am Messie Syndrom ;-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom

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