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Loveparade Tunnel in Duisburg wird zum Ort der Stille und Anteilnahme

Die Loveparade trennte diese Freundinnen für immerUnter den Brücken versammeln sich viele Menschen, die teils direkt betroffen, teils aus Anteilnahme gekommen sind. Fünf Tage nach dem schrecklichen Unglück mit bisher 21 Toten und mehr als 500 Schwerverletzten sind so viele Gedenkkerzen unter den Brücken angezündet und so viele Gedanken zu lesen, daß man gar nicht alle erfassen kann. In der schier unendlichen Zahl der Kerzen, die einen starken Wachsgeruch und viel Wärme verbreiten, kann man die Trauer, den Ärger, den Hass, die Ohnmacht und das Mitgefühl der Menschen erkennen. Überall hängen Plakate mit Ausbrüchen der Wut über den Bürgermeister und die Verantwortlichen. Manchmal sind es auch mahnende Worte, Gedichte oder einfach liebevolle Gedanken, die trösten.

Als ich heute mit meinem Kollegen Julian dort war, ergriff mich auch die stille Trauer der vielen kondulierenden Menschen. Es wurde kaum ein Wort gesprochen. Ein Team der Tagesschau interviewte eine Frau vor Ort, aber auch das war nur sehr leise zu vernehmen. Notfallseelsorger der Feuerwehr Duisburg waren vor Ort um den Menschen beizustehen. Die Straße unter den Brücken selbst ist abgesperrt und wird schon vor den Tunneln von Kerzen gesäumt. Sicher hatten sich die Anwohner nicht gedacht, daß Ihre Mauern zu einer Art Mahnwache werden.

So wurde aus tosender Party stille Gedenkstette. Mitten im Tunnel ist ein Kondulenzbuch ausgestellt, vor welchem sich eine lange Schlange von Wartenden geduldig sammelt. Eine sehr traurige Stille, die sich verbreitet. Viele der Menschen weinen zusammen mit Ihren Kindern. Für mich ist es schwer vorstellbar, daß dieser Tunnel jemals wieder von Autos befahren werden wird. Idealerweise sollte es im Tunnel immer so aussehen wie heute und immer eine Mahnung sein für schlechte Organisation, Selbstüberschätzung und die Gefahr großer Menschenmassen. Auch wäre es eine gute Möglichkeit den Menschen zu danken, die geholfen haben an diesem denkwürdigen Tag.

Auf einem Plakat wird allen Ravern gedankt, die im Tunnel die Nerven behalten haben und so keine größere Panik auslösten. Es wären hunderte mehr Menschen zu Tode gekommen sagt der Autor/die Autorin. Sie war anwesend und hat nur so überlebt.

Ich finde es sehr schade, daß die Loveparade nicht wieder statt finden soll. Mit meinem Freund Frieder zusammen bin ich der Meinunng, die Loveparade wäre in Zukunft eine tolle Feier der Opfer zu gedenken, für die soziale Gemeinschaft, die Meinungsfreiheit, die Freiheit solche Feiern statt finden zu lassen und um einfach Spaß zu haben. Hoffentlich stirbt mit den Toten nicht diese Möglichkeit.

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