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Hilmar Klute in der Grefrather Buchhandlung Gross

Hilmar Klute liest in der Grefrather Buchhandlung

In meinem erstem Besuch der Reihe Kultur am Montag in der Grefrath Buchhandlung Karl Gross erlebe ich Hilmar Klute, den Autor von „Was denn nachher so schön fliegt„. Hilmar Klute liest an diesem Abend aus seinem Debüt-Roman.

Hilmar Klute liest vor

In der wunderschönen kleinen Buchhandlung, die von zwei überaus sympathischen Menschen, Karl Gross und seiner Partnerin geführt wird, sind immer wieder große Autoren oder Musiker zu Besuch. Im Rahmen der Reihe Kultur am Montag liest heute, der aus der Süddeutschen Zeitung bekannte Redakteur aus seinem erfolgreichen ersten Roman „Was denn nachher so schön fliegt“.

Meine eigene Erwartung an die Lesung ist nicht zu hoch geschraubt, wohl auch um positiv überrascht zu werden. Ich war beim Vorab-Lesen über die ersten fünf Seiten des Werkes hinaus gekommen, was ein großes Kompliment an den Roman darstellt. Für mich selbst sind die ersten fünf Seiten eines Buches und die ersten fünf Minuten eines Filmes der Moment, in dem sich mein Interesse regen muss, sonst fliegt das Werk aus meinem Zeitkreis. Ich hatte also vor diesem Abend entschieden, dass sich das Lesen lohnt, es aber noch nicht über das erste Fünftel hinaus geschafft.

Immerhin war mir die Publikation von Herrn Gross vor Wochen in wärmsten Worten empfohlen worden. Karl Gross hatte mir eine kurze und wortgewandte Einführung gegeben, die nicht zu viel verriet und mein Interesse weckte. Gleichzeitig gab mir dieser hellwache Mann die Möglichkeit, in seiner Buchhandlung an der ausverkauften Lesung teilzunehmen. Gekauft!

An diesem Abend, dem 20. Mai 2019, liest Hilmar Klute aus diesem seinem Werk. Mit angenehmer Stimme beginnt meine Erfahrung der wechselnden Gefühle. Einerseits ist der Raum still und aufmerksam, andererseits habe ich Angst, im Laufe der Zeit an der verbrauchten Luft von 80 Menschen auf engem Raum zu ersticken. Sicher ist die dicke Luft keine Absicht von Herrn Gross, aber sie auch nicht aufmerksamkeitssteigernd.

Viele der Kulturinteressierten sind heute gleichzeitig Weintrinker biologischer Erzeugnisse aus dem befreundeten Grefrather Bioladen der gegenüberliegenden Strassenseite, den ich sehr schätze. So könnte der Abend etwas werden, wäre da nicht…

… ja wäre da nicht eine Lesung, die von Hilmar Klute vielleicht schon ein paar Male zu oft gehalten wurde? Ich bemerke ein Vorlesen mit zu wenigen Betonungen, Pausen und Unterstreichungen der Ironie des Werkes. Natürlich ist es eine große Anstrengung und Leistung, solch ein Buch zu schreiben und Passagen daraus vorzulesen, die meine vollste Anerkennung erhält. Schade aber, dass die Besonderheit der Publikation an diesem Abend nicht von der Lesung unterstrichen wird.

Nun bin ich nicht sehr bewandert in Sachen Lyrik und Poesie, an die sich der Roman laufend anlehnt. Die Analogien kann man sicher nur verstehen, wenn man viel gelesen hat und literarisch bewandert ist. Aber in mir steigert sich während der Lesung das Gefühl, diesen Roman inhaltlich zu kennen, bevor er gelesen oder vorgelesen ist. Es gibt trotz der angenehmen Stimme des Verfassers und der wirklich schönen Formulierungen keine Überraschungen, sieht man von dem zu oft wiederkehrenden Urinalkondom einmal ab, mit dem Herr Klute den Leser und Zuhörer aufmerksam bindet.

Positiv immerhin, dass beim Zuhören die Fantasie angeregt wird. Immer wieder frage ich mich, ob es Ibuprofen schon in den 80ern gab, ob ich nicht ein eigenes Werk aus den Tiefen meiner Zivildienstzeit zum Besten geben sollte? Ist der Protagonist Volker ein enger Vertrauter des Schreibers?

Die Bilder aus dem geteilten Berlin, der Zugfahrt dorthin, das Trampen nach Paris sind eindrucksvoll und wunderbar in Worte gefasst. Das ist wohl die Stärke von Hilmar Klute, die spitze Feder, die immer wieder auch selbstkritisch und ironisch aufmerksam formuliert.

Ich mag das Buch, um mich an meine eigene Jugend zu erinnern, aber muss ich es deshalb noch lesen? Ich denke nicht, denn es kommt mir vor, als kannte ich die Seiten inhaltlich bereits vor der Lesung. Ein seltsames Gefühl der Beklommenheit geht mir durch den Kopf bevor ich draußen wieder Luft bekomme und das wunderschöne Kleinod Grefraths verlasse. Ich erlebe noch zwei sehr schöne Begegnungen mit der Kritikerin der Rheinischen Post und einer junggebliebenen Bekannten, bevor ich in die Pedale trete und während der Fahrt nach Hause das Buch in Gefühlen fliegen lasse…

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