<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Der Beruf des Fotografen stirbt &#8211; Deutschland ist bald am Ende	</title>
	<atom:link href="https://www.ueberkritisch.de/der-beruf-des-fotografen-stirbt-deutschland-ist-laengst-ende/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.ueberkritisch.de/der-beruf-des-fotografen-stirbt-deutschland-ist-laengst-ende/</link>
	<description>» Peters Tipps und Kritik zum Überleben «</description>
	<lastBuildDate>Wed, 01 Apr 2020 11:58:42 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>
	<item>
		<title>
		Von: Bernd Löber		</title>
		<link>https://www.ueberkritisch.de/der-beruf-des-fotografen-stirbt-deutschland-ist-laengst-ende/#comment-29621</link>

		<dc:creator><![CDATA[Bernd Löber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2014 21:50:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://ueberkritisch.de/?p=2393#comment-29621</guid>

					<description><![CDATA[Hallo Peter,
vielen Dank für Deinen interessanten Artikel.

Früher, zu analogen Zeiten, mussten Fotografen wirklich noch nachweislich viel Können und Wissen mitbringen um „auftragsmäßig“ fotografieren zu dürfen. Denn die Fotos, die man machte, blieben ja zunächst im Dunkeln. Nach jeder vermeintlich noch wichtigeren Belichtung, also nach jedem Foto, dass man schoss, war der Fotograf voller Hoffnung und Zuversicht, dass das, was man da gerade per Auslöser auf den Film gebannt hatte, auch später möglichst 1A reproduzierbar ist. An alle ehemals analogen Fotografen – erinnert Ihr Euch?

An die Wege ins Fachlabor Eurer Wahl? An die elend langen Wartezeiten für die Filmentwicklungen? Ich selbst habe mir nach Abgabe der frisch belichteten Filme gerne ein kleines Mittagsmenü beim Italiener direkt gegenüber  unseres Düsseldorfer Fotolabors gegönnt. Und eigentlich immer, während  ich meine Lieblingspasta und den obligatorischen Espresso verzehrte, hatte ich ein flaues Gefühl im Magen und stellte mir beängstigende Fragen: 

Habe ich für den Job auch wirklich die optimalen Filme verwendet? Habe ich zu viel Ausschuss verursacht? Habe ich wirklich starke Portraits gemacht? Sind da nicht doch vielleicht viel zu viele Augen-Zu-Bilder dabei? Habe ich vielleicht viel zu viel oder viel zu wenig Blitzlicht eingesetzt? War es wirklich richtig, alle Bilder aus der Hand zu schießen? Stimmte das Umgebungslicht im Verhältnis zum eingesetzten Blitzlicht? Ist der neue 400 Asa Film wirklich so Feinkörnig, wie meine Kollegen behaupten? War die schwere und umständlich zu bedienende Mittelformatkamera die richtige Entscheidung? Wäre ich mit Kleinbildkamera nicht mobiler, vielseitiger und leichtfüßiger unterwegs gewesen? Kann das Labor überhaupt schon fachgerecht mit dem neuen Film umgehen? 

Fragen über Fragen, auf die es so (quälend) lange keine sinnvollen Antworten gab, bis die frisch entwickelten Filme auf dem Leuchttisch des Fotolabors lagen.


Auch nach dem Fotostudium und einer mehr als zehnjährigen Erfahrung als Auftragsfotograf, änderte recht wenig an meiner, mich ständig begleitenden Befürchtung, an irgend einem, der, aus meiner Sicht, vielen wichtigen Punkte, die hochwertige professionelle Fotografie ausmachen, versagt zu haben. Ich galt als penetrant, wissbegierig, wusste nahezu alles über Kameras, Filmmaterial, Filmentwicklung und das finale Vergrößern der Auswahlfotos.  

Doch allem Fachwissen zum Trotz: Nach jeder fotografischen Betätigung kam in mir dieser Moment der Ungewissheit, ja der völligen Dunkelheit in mir hoch. Das gute Gefühl nach einem aufwendig durchgeführten Portraittermin wurde gleichzeitig auch immer von Selbstzweifeln getrübt. Solange man sich nicht mit edler Zeisslupe bewaffnet über jede einzelne Belichtung hermachen durfte, sorgte jeder auch noch so gut organisierte Fotojob, für ein flaues Gefühl im Magen. Wem zu analogen Zeiten das umfangreiche fotografische Basiswissen fehlte, fehlte schlichtweg die Berechtigung, einen Fotoauftrag annehmen zu dürfen. Wie sollte man seinem Auftraggeber auch damals erklären, dass 15 belichtete Profifilme a zwanzig Mark und ein ganzer Fototag plus Fahrtkosten – aus welchen Gründen auch immer – fragwürdige oder gar indiskutable Bildergebnisse hervorgebracht haben? Damals war der geplante Einsatz des wunderbaren Kommunikationsmediums Fotografie auch gleichzeitig ein heikles Unterfangen. Es war schlichtweg ein zu hohes finanzielles Risiko, einen fotografischen Laien mit einer geplanten Fotoproduktion zu beauftragen. Zu analogen Zeiten war es nahezu undenkbar, dass ein Artdirector eines auflagenstarken Magazins, seinen schreibenden Redakteur die Kameratasche um den Hals hängt, um nach seinem Interviewtermin auch noch mal eben das dringend benötigte Portraitfoto seines Gesprächspartners zu schießen. Heute ist genau das gängige Praxis.

Digitale Kameras sind, so die landläufige, aber völlig verkehrte Auffassung einfach zu bedienende Alleskönner. Jeder Laie kann – vermeintlich – ohne viel Erfahrung mit ihnen umgehen und Fotos erzeugen. Vor allem aber: Digitale Kameras machen die zu überbrückende Angst vor der Dunkelheit obsolet. Jedes geschossene Foto ist heute sofort sichtbar und beurteilbar. Zudem kann man schießen, was das Zeug hält, ohne dafür nennenswerte Mehrkosten zu verursachen. 
Den hier genannten schreibenden Redakteur gibt es wirklich. Neuerdings übernimmt er eben auch das Fotografieren für seinen Verlag. Er fährt beispielsweise auf eine weltweit bekannte HIFI-Messe, um dort preisgekrönte HIFI-Entwickler zu interviewen und macht quasi so nebenbei auch die Portraitaufnahmen der glorreichen Gewinner. Und damit sein fotografischer Einsatz auch wirklich lohnenswert ist, knipst er selbstverständlich die auf der Messe ausgestellten - preisgekrönten - HIFI-Geräte gleich mit. Die Fotos und Auszüge aus den Interviews wurden dem Leser dann später im Magazin auf 3 Doppelseiten präsentiert. Die Portraits waren grauenvoll fotografiert. Die HIFI-Elemente, bis zu einhundert Tausend Euro teuer, sahen aus wie billige Attrappen. Es war wirklich eine grauenhaft schlechte Präsentation dieser weltweit bekannten Messe und ich kann auch heute noch nicht glauben, dass diese Fotos von den Verantwortlichen durchgewinkt wurden. Ja klar, rein technisch waren die gezeigten Fotos alle in Ordnung, wenn auch nicht hervorragend.  Wir wissen alle, wie gut digitale Kameras, das Gesehene (ja, das GESEHENE!) auf dem Sensor aufzeichnen und selbst bei Fehlbelichtungen jedem halbwegs kompetenten Bildbearbeiter noch genügend Spielraum zum korrigieren einräumen. 
Wer aber hat unserem lieben Redakteur bloß erzählt, er solle doch bitte hinter jedem zu portraitierenden HIFI-Entwickler einen riesigen Pflanzenkübel stellen? Und wohlgemerkt: immer den Selben! Könnt Ihr Euch die Fotos so langsam vorstellen? Da sitzen andauernd irgendwelche schwitzenden, ohnehin eher unfotogenen Technikfreaks in schlecht sitzenden Anzügen, an hässlich „gestalteten“ Verkaufstheken  und halten ein ebenso schlecht gestaltetes, in der HIFI-Branche aber sehr begehrtes, Siegerschildchen in die Luft. Und aus jedem dieser Siegerköpfe sprießen diese schwer definierbaren grünen Pflanzenstile. 

500 Euro zuzüglich Fahrtkosten wollte ich für diesen Job. Aus Sicht des Magazins war das deutlich zu viel. Das lässt man dann lieber jemanden von der schreibenden Zunft, nahezu ohne Mehrkosten, erledigen. In der Hoffnung, dass dieser eben etwas in halbwegs annehmbarer fotografischer Qualität auf den Sensor zaubert. Er kann ja schließlich nach jeder Belichtung auf sein Display schauen und (vermeintlich) selber entscheiden ob sein Foto was geworden ist. Eine hochwertig fotografierte Portraitserie namhafter und erfolgreicher HIFI-Spezialisten oder gar eine spannend fotografierte Reportage dieser, angeblich so wichtigen Messe, war seitens der Heftmacher nie geplant. Oder etwa doch???

Liebe Grüße

Bernd Löber]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Peter,<br />
vielen Dank für Deinen interessanten Artikel.</p>
<p>Früher, zu analogen Zeiten, mussten Fotografen wirklich noch nachweislich viel Können und Wissen mitbringen um „auftragsmäßig“ fotografieren zu dürfen. Denn die Fotos, die man machte, blieben ja zunächst im Dunkeln. Nach jeder vermeintlich noch wichtigeren Belichtung, also nach jedem Foto, dass man schoss, war der Fotograf voller Hoffnung und Zuversicht, dass das, was man da gerade per Auslöser auf den Film gebannt hatte, auch später möglichst 1A reproduzierbar ist. An alle ehemals analogen Fotografen – erinnert Ihr Euch?</p>
<p>An die Wege ins Fachlabor Eurer Wahl? An die elend langen Wartezeiten für die Filmentwicklungen? Ich selbst habe mir nach Abgabe der frisch belichteten Filme gerne ein kleines Mittagsmenü beim Italiener direkt gegenüber  unseres Düsseldorfer Fotolabors gegönnt. Und eigentlich immer, während  ich meine Lieblingspasta und den obligatorischen Espresso verzehrte, hatte ich ein flaues Gefühl im Magen und stellte mir beängstigende Fragen: </p>
<p>Habe ich für den Job auch wirklich die optimalen Filme verwendet? Habe ich zu viel Ausschuss verursacht? Habe ich wirklich starke Portraits gemacht? Sind da nicht doch vielleicht viel zu viele Augen-Zu-Bilder dabei? Habe ich vielleicht viel zu viel oder viel zu wenig Blitzlicht eingesetzt? War es wirklich richtig, alle Bilder aus der Hand zu schießen? Stimmte das Umgebungslicht im Verhältnis zum eingesetzten Blitzlicht? Ist der neue 400 Asa Film wirklich so Feinkörnig, wie meine Kollegen behaupten? War die schwere und umständlich zu bedienende Mittelformatkamera die richtige Entscheidung? Wäre ich mit Kleinbildkamera nicht mobiler, vielseitiger und leichtfüßiger unterwegs gewesen? Kann das Labor überhaupt schon fachgerecht mit dem neuen Film umgehen? </p>
<p>Fragen über Fragen, auf die es so (quälend) lange keine sinnvollen Antworten gab, bis die frisch entwickelten Filme auf dem Leuchttisch des Fotolabors lagen.</p>
<p>Auch nach dem Fotostudium und einer mehr als zehnjährigen Erfahrung als Auftragsfotograf, änderte recht wenig an meiner, mich ständig begleitenden Befürchtung, an irgend einem, der, aus meiner Sicht, vielen wichtigen Punkte, die hochwertige professionelle Fotografie ausmachen, versagt zu haben. Ich galt als penetrant, wissbegierig, wusste nahezu alles über Kameras, Filmmaterial, Filmentwicklung und das finale Vergrößern der Auswahlfotos.  </p>
<p>Doch allem Fachwissen zum Trotz: Nach jeder fotografischen Betätigung kam in mir dieser Moment der Ungewissheit, ja der völligen Dunkelheit in mir hoch. Das gute Gefühl nach einem aufwendig durchgeführten Portraittermin wurde gleichzeitig auch immer von Selbstzweifeln getrübt. Solange man sich nicht mit edler Zeisslupe bewaffnet über jede einzelne Belichtung hermachen durfte, sorgte jeder auch noch so gut organisierte Fotojob, für ein flaues Gefühl im Magen. Wem zu analogen Zeiten das umfangreiche fotografische Basiswissen fehlte, fehlte schlichtweg die Berechtigung, einen Fotoauftrag annehmen zu dürfen. Wie sollte man seinem Auftraggeber auch damals erklären, dass 15 belichtete Profifilme a zwanzig Mark und ein ganzer Fototag plus Fahrtkosten – aus welchen Gründen auch immer – fragwürdige oder gar indiskutable Bildergebnisse hervorgebracht haben? Damals war der geplante Einsatz des wunderbaren Kommunikationsmediums Fotografie auch gleichzeitig ein heikles Unterfangen. Es war schlichtweg ein zu hohes finanzielles Risiko, einen fotografischen Laien mit einer geplanten Fotoproduktion zu beauftragen. Zu analogen Zeiten war es nahezu undenkbar, dass ein Artdirector eines auflagenstarken Magazins, seinen schreibenden Redakteur die Kameratasche um den Hals hängt, um nach seinem Interviewtermin auch noch mal eben das dringend benötigte Portraitfoto seines Gesprächspartners zu schießen. Heute ist genau das gängige Praxis.</p>
<p>Digitale Kameras sind, so die landläufige, aber völlig verkehrte Auffassung einfach zu bedienende Alleskönner. Jeder Laie kann – vermeintlich – ohne viel Erfahrung mit ihnen umgehen und Fotos erzeugen. Vor allem aber: Digitale Kameras machen die zu überbrückende Angst vor der Dunkelheit obsolet. Jedes geschossene Foto ist heute sofort sichtbar und beurteilbar. Zudem kann man schießen, was das Zeug hält, ohne dafür nennenswerte Mehrkosten zu verursachen.<br />
Den hier genannten schreibenden Redakteur gibt es wirklich. Neuerdings übernimmt er eben auch das Fotografieren für seinen Verlag. Er fährt beispielsweise auf eine weltweit bekannte HIFI-Messe, um dort preisgekrönte HIFI-Entwickler zu interviewen und macht quasi so nebenbei auch die Portraitaufnahmen der glorreichen Gewinner. Und damit sein fotografischer Einsatz auch wirklich lohnenswert ist, knipst er selbstverständlich die auf der Messe ausgestellten &#8211; preisgekrönten &#8211; HIFI-Geräte gleich mit. Die Fotos und Auszüge aus den Interviews wurden dem Leser dann später im Magazin auf 3 Doppelseiten präsentiert. Die Portraits waren grauenvoll fotografiert. Die HIFI-Elemente, bis zu einhundert Tausend Euro teuer, sahen aus wie billige Attrappen. Es war wirklich eine grauenhaft schlechte Präsentation dieser weltweit bekannten Messe und ich kann auch heute noch nicht glauben, dass diese Fotos von den Verantwortlichen durchgewinkt wurden. Ja klar, rein technisch waren die gezeigten Fotos alle in Ordnung, wenn auch nicht hervorragend.  Wir wissen alle, wie gut digitale Kameras, das Gesehene (ja, das GESEHENE!) auf dem Sensor aufzeichnen und selbst bei Fehlbelichtungen jedem halbwegs kompetenten Bildbearbeiter noch genügend Spielraum zum korrigieren einräumen.<br />
Wer aber hat unserem lieben Redakteur bloß erzählt, er solle doch bitte hinter jedem zu portraitierenden HIFI-Entwickler einen riesigen Pflanzenkübel stellen? Und wohlgemerkt: immer den Selben! Könnt Ihr Euch die Fotos so langsam vorstellen? Da sitzen andauernd irgendwelche schwitzenden, ohnehin eher unfotogenen Technikfreaks in schlecht sitzenden Anzügen, an hässlich „gestalteten“ Verkaufstheken  und halten ein ebenso schlecht gestaltetes, in der HIFI-Branche aber sehr begehrtes, Siegerschildchen in die Luft. Und aus jedem dieser Siegerköpfe sprießen diese schwer definierbaren grünen Pflanzenstile. </p>
<p>500 Euro zuzüglich Fahrtkosten wollte ich für diesen Job. Aus Sicht des Magazins war das deutlich zu viel. Das lässt man dann lieber jemanden von der schreibenden Zunft, nahezu ohne Mehrkosten, erledigen. In der Hoffnung, dass dieser eben etwas in halbwegs annehmbarer fotografischer Qualität auf den Sensor zaubert. Er kann ja schließlich nach jeder Belichtung auf sein Display schauen und (vermeintlich) selber entscheiden ob sein Foto was geworden ist. Eine hochwertig fotografierte Portraitserie namhafter und erfolgreicher HIFI-Spezialisten oder gar eine spannend fotografierte Reportage dieser, angeblich so wichtigen Messe, war seitens der Heftmacher nie geplant. Oder etwa doch???</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Bernd Löber</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: bernd Löber		</title>
		<link>https://www.ueberkritisch.de/der-beruf-des-fotografen-stirbt-deutschland-ist-laengst-ende/#comment-29617</link>

		<dc:creator><![CDATA[bernd Löber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2014 13:40:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://ueberkritisch.de/?p=2393#comment-29617</guid>

					<description><![CDATA[Fragen über Fragen, auf die es so (quälend) lange keine sinnvollen Antworten gab, bis die frisch entwickelten Filme auf dem Leuchttisch des Fotolabors lagen.


Auch nach dem Fotostudium und einer mehr als zehnjährigen Erfahrung als Auftragsfotograf, änderte recht wenig an meiner, mich ständig begleitenden Befürchtung, an irgend einem, der, aus meiner Sicht, vielen wichtigen Punkte, die hochwertige professionelle Fotografie ausmachen, versagt zu haben. Ich galt als penetrant, wissbegierig, wusste nahezu alles über Kameras, Filmmaterial, Filmentwicklung und das finale Vergrößern der Auswahlfotos.  

Doch allem Fachwissen zum Trotz: Nach jeder fotografischen Betätigung kam in mir dieser Moment der Ungewissheit, ja der völligen Dunkelheit in mir hoch. Das gute Gefühl nach einem aufwendig durchgeführten Portraittermin wurde gleichzeitig auch immer von Selbstzweifeln getrübt. Solange man sich nicht mit edler Zeisslupe bewaffnet über jede einzelne Belichtung hermachen durfte, sorgte jeder auch noch so gut organisierte Fotojob, für ein flaues Gefühl im Magen. Wem zu analogen Zeiten das umfangreiche fotografische Basiswissen fehlte, fehlte schlichtweg die Berechtigung, einen Fotoauftrag annehmen zu dürfen. Wie sollte man seinem Auftraggeber auch damals erklären, dass 15 belichtete Profifilme a zwanzig Mark und ein ganzer Fototag plus Fahrtkosten – aus welchen Gründen auch immer – fragwürdige oder gar indiskutable Bildergebnisse hervorgebracht haben? Damals war der geplante Einsatz des wunderbaren Kommunikationsmediums Fotografie auch gleichzeitig ein heikles Unterfangen. Es war schlichtweg ein zu hohes finanzielles Risiko, einen fotografischen Laien mit einer geplanten Fotoproduktion zu beauftragen. Zu analogen Zeiten war es nahezu undenkbar, dass ein Artdirector eines auflagenstarken Magazins, seinen schreibenden Redakteur die Kameratasche um den Hals hängt, um nach seinem Interviewtermin auch noch mal eben das dringend benötigte Portraitfoto seines Gesprächspartners zu schießen. Heute ist genau das gängige Praxis.

Digitale Kameras sind, so die landläufige, aber völlig verkehrte Auffassung einfach zu bedienende Alleskönner. Jeder Laie kann – vermeintlich – ohne viel Erfahrung mit ihnen umgehen und Fotos erzeugen. Vor allem aber: Digitale Kameras machen die zu überbrückende Angst vor der Dunkelheit obsolet. Jedes geschossene Foto ist heute sofort sichtbar und beurteilbar. Zudem kann man schießen, was das Zeug hält, ohne dafür nennenswerte Mehrkosten zu verursachen. 
Den hier genannten schreibenden Redakteur gibt es wirklich. Neuerdings übernimmt er eben auch das Fotografieren für seinen Verlag. Er fährt beispielsweise auf eine weltweit bekannte HIFI-Messe, um dort preisgekrönte HIFI-Entwickler zu interviewen und macht quasi so nebenbei auch die Portraitaufnahmen der glorreichen Gewinner. Und damit sein fotografischer Einsatz auch wirklich lohnenswert ist, knipst er selbstverständlich die auf der Messe ausgestellten - preisgekrönten - HIFI-Geräte gleich mit. Die Fotos und Auszüge aus den Interviews wurden dem Leser dann später im Magazin auf 3 Doppelseiten präsentiert. Die Portraits waren grauenvoll fotografiert. Die HIFI-Elemente, bis zu einhundert Tausend Euro teuer, sahen aus wie billige Attrappen. Es war wirklich eine grauenhaft schlechte Präsentation dieser weltweit bekannten Messe und ich kann auch heute noch nicht glauben, dass diese Fotos von den Verantwortlichen durchgewunken wurden. Ja klar, rein technisch waren die gezeigten Fotos alle in Ordnung, wenn auch nicht hervorragend.  Wir wissen alle, wie gut digitale Kameras, das Gesehene (ja, das GESEHENE!) auf dem Sensor aufzeichnen und selbst bei Fehlbelichtungen jedem halbwegs kompetenten Bildbearbeiter noch genügend Spielraum zum korrigieren einräumen. 
Wer aber hat unserem lieben Redakteur bloß erzählt, er solle doch bitte hinter jedem zu portraitierenden HIFI-Entwickler einen riesigen Pflanzenkübel stellen? Und wohlgemerkt: immer den Selben! Könnt Ihr Euch die Fotos so langsam vorstellen? Da sitzen andauernd irgendwelche schwitzenden, ohnehin eher unfotogenen Technikfreaks in schlecht sitzenden Anzügen, an hässlich „gestalteten“ Verkaufstheken  und halten ein ebenso schlecht gestaltetes, in der HIFI-Branche aber sehr begehrtes, Siegerschildchen in die Luft. Und aus jedem dieser Siegerköpfe sprießen diese schwer definierbaren grünen Pflanzenstile. 

500 Euro zuzüglich Fahrtkosten wollte ich für diesen Job. Aus Sicht des Magazins war das deutlich zu viel. Das lässt man dann lieber jemanden von der schreibenden Zunft, nahezu ohne Mehrkosten, erledigen. In der Hoffnung, dass dieser eben etwas in halbwegs annehmbarer fotografischer Qualität auf den Sensor zaubert. Er kann ja schließlich nach jeder Belichtung auf sein Display schauen und (vermeintlich) selber entscheiden ob sein Foto was geworden ist. Eine hochwertig fotografierte Portraitserie namhafter und erfolgreicher HIFI-Spezialisten oder gar eine spannend fotografierte Reportage dieser, angeblich so wichtigen Messe, war seitens der Heftmacher nie geplant. Oder etwa doch???

Liebe Grüße

Bernd Löber]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fragen über Fragen, auf die es so (quälend) lange keine sinnvollen Antworten gab, bis die frisch entwickelten Filme auf dem Leuchttisch des Fotolabors lagen.</p>
<p>Auch nach dem Fotostudium und einer mehr als zehnjährigen Erfahrung als Auftragsfotograf, änderte recht wenig an meiner, mich ständig begleitenden Befürchtung, an irgend einem, der, aus meiner Sicht, vielen wichtigen Punkte, die hochwertige professionelle Fotografie ausmachen, versagt zu haben. Ich galt als penetrant, wissbegierig, wusste nahezu alles über Kameras, Filmmaterial, Filmentwicklung und das finale Vergrößern der Auswahlfotos.  </p>
<p>Doch allem Fachwissen zum Trotz: Nach jeder fotografischen Betätigung kam in mir dieser Moment der Ungewissheit, ja der völligen Dunkelheit in mir hoch. Das gute Gefühl nach einem aufwendig durchgeführten Portraittermin wurde gleichzeitig auch immer von Selbstzweifeln getrübt. Solange man sich nicht mit edler Zeisslupe bewaffnet über jede einzelne Belichtung hermachen durfte, sorgte jeder auch noch so gut organisierte Fotojob, für ein flaues Gefühl im Magen. Wem zu analogen Zeiten das umfangreiche fotografische Basiswissen fehlte, fehlte schlichtweg die Berechtigung, einen Fotoauftrag annehmen zu dürfen. Wie sollte man seinem Auftraggeber auch damals erklären, dass 15 belichtete Profifilme a zwanzig Mark und ein ganzer Fototag plus Fahrtkosten – aus welchen Gründen auch immer – fragwürdige oder gar indiskutable Bildergebnisse hervorgebracht haben? Damals war der geplante Einsatz des wunderbaren Kommunikationsmediums Fotografie auch gleichzeitig ein heikles Unterfangen. Es war schlichtweg ein zu hohes finanzielles Risiko, einen fotografischen Laien mit einer geplanten Fotoproduktion zu beauftragen. Zu analogen Zeiten war es nahezu undenkbar, dass ein Artdirector eines auflagenstarken Magazins, seinen schreibenden Redakteur die Kameratasche um den Hals hängt, um nach seinem Interviewtermin auch noch mal eben das dringend benötigte Portraitfoto seines Gesprächspartners zu schießen. Heute ist genau das gängige Praxis.</p>
<p>Digitale Kameras sind, so die landläufige, aber völlig verkehrte Auffassung einfach zu bedienende Alleskönner. Jeder Laie kann – vermeintlich – ohne viel Erfahrung mit ihnen umgehen und Fotos erzeugen. Vor allem aber: Digitale Kameras machen die zu überbrückende Angst vor der Dunkelheit obsolet. Jedes geschossene Foto ist heute sofort sichtbar und beurteilbar. Zudem kann man schießen, was das Zeug hält, ohne dafür nennenswerte Mehrkosten zu verursachen.<br />
Den hier genannten schreibenden Redakteur gibt es wirklich. Neuerdings übernimmt er eben auch das Fotografieren für seinen Verlag. Er fährt beispielsweise auf eine weltweit bekannte HIFI-Messe, um dort preisgekrönte HIFI-Entwickler zu interviewen und macht quasi so nebenbei auch die Portraitaufnahmen der glorreichen Gewinner. Und damit sein fotografischer Einsatz auch wirklich lohnenswert ist, knipst er selbstverständlich die auf der Messe ausgestellten &#8211; preisgekrönten &#8211; HIFI-Geräte gleich mit. Die Fotos und Auszüge aus den Interviews wurden dem Leser dann später im Magazin auf 3 Doppelseiten präsentiert. Die Portraits waren grauenvoll fotografiert. Die HIFI-Elemente, bis zu einhundert Tausend Euro teuer, sahen aus wie billige Attrappen. Es war wirklich eine grauenhaft schlechte Präsentation dieser weltweit bekannten Messe und ich kann auch heute noch nicht glauben, dass diese Fotos von den Verantwortlichen durchgewunken wurden. Ja klar, rein technisch waren die gezeigten Fotos alle in Ordnung, wenn auch nicht hervorragend.  Wir wissen alle, wie gut digitale Kameras, das Gesehene (ja, das GESEHENE!) auf dem Sensor aufzeichnen und selbst bei Fehlbelichtungen jedem halbwegs kompetenten Bildbearbeiter noch genügend Spielraum zum korrigieren einräumen.<br />
Wer aber hat unserem lieben Redakteur bloß erzählt, er solle doch bitte hinter jedem zu portraitierenden HIFI-Entwickler einen riesigen Pflanzenkübel stellen? Und wohlgemerkt: immer den Selben! Könnt Ihr Euch die Fotos so langsam vorstellen? Da sitzen andauernd irgendwelche schwitzenden, ohnehin eher unfotogenen Technikfreaks in schlecht sitzenden Anzügen, an hässlich „gestalteten“ Verkaufstheken  und halten ein ebenso schlecht gestaltetes, in der HIFI-Branche aber sehr begehrtes, Siegerschildchen in die Luft. Und aus jedem dieser Siegerköpfe sprießen diese schwer definierbaren grünen Pflanzenstile. </p>
<p>500 Euro zuzüglich Fahrtkosten wollte ich für diesen Job. Aus Sicht des Magazins war das deutlich zu viel. Das lässt man dann lieber jemanden von der schreibenden Zunft, nahezu ohne Mehrkosten, erledigen. In der Hoffnung, dass dieser eben etwas in halbwegs annehmbarer fotografischer Qualität auf den Sensor zaubert. Er kann ja schließlich nach jeder Belichtung auf sein Display schauen und (vermeintlich) selber entscheiden ob sein Foto was geworden ist. Eine hochwertig fotografierte Portraitserie namhafter und erfolgreicher HIFI-Spezialisten oder gar eine spannend fotografierte Reportage dieser, angeblich so wichtigen Messe, war seitens der Heftmacher nie geplant. Oder etwa doch???</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Bernd Löber</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Thomas Schatten		</title>
		<link>https://www.ueberkritisch.de/der-beruf-des-fotografen-stirbt-deutschland-ist-laengst-ende/#comment-29615</link>

		<dc:creator><![CDATA[Thomas Schatten]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2014 15:51:38 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://ueberkritisch.de/?p=2393#comment-29615</guid>

					<description><![CDATA[Sehr geehrter Herr Roskothen
Ich stimme ihnen da in jeder Hinsicht voll und ganz zu. Ich selbst merke jeden Tag beim Verkauf von hochwertigen Lebensmitteln wie die Leute Supermarkt Preise bei guter Qualität zu Grunde legen. Besser noch sich von uns alles erklären lassen wo kommen die Tiere her wie werden sie gehalten wie lange leben sie welches Futter bekommen sie cetera und dann in den großen Läden  den ganzen Einkaufswagen voll Plastikschalen packen.
Es bleibt dabei:  Bei guten Dienstleistungen sowie beim Essen sind nur fünf Prozent der deutschen bereit ihr gutes Geld auch sinnvoll auszugeben.
Übrigens: richtig ist geiz ist nicht geil Geiz kostet Menschenleben
Mit freundlichen Grüßen an die fünf Prozent gesunden Menschen
Thomas Schatten]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Roskothen<br />
Ich stimme ihnen da in jeder Hinsicht voll und ganz zu. Ich selbst merke jeden Tag beim Verkauf von hochwertigen Lebensmitteln wie die Leute Supermarkt Preise bei guter Qualität zu Grunde legen. Besser noch sich von uns alles erklären lassen wo kommen die Tiere her wie werden sie gehalten wie lange leben sie welches Futter bekommen sie cetera und dann in den großen Läden  den ganzen Einkaufswagen voll Plastikschalen packen.<br />
Es bleibt dabei:  Bei guten Dienstleistungen sowie beim Essen sind nur fünf Prozent der deutschen bereit ihr gutes Geld auch sinnvoll auszugeben.<br />
Übrigens: richtig ist geiz ist nicht geil Geiz kostet Menschenleben<br />
Mit freundlichen Grüßen an die fünf Prozent gesunden Menschen<br />
Thomas Schatten</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
