Kommerz, Menschliches
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Sebastian Deisler

Fussball ist nicht mehr sein LebenEs ist ein sensibles Portrait, welches „Die Zeit“ in seiner letzten Ausgabe (Nr. 41, 01.10.2009) von Sebastian Deisler zeichnet. Das Interview wird von Hintergrundinformationen begleitet und zeigt einen durch Kommerz und Erwartungen gezeichneten Menschen, der gerade nach seinem Ausstieg aus dem Kommerzsport wieder zu sich findet. Und verstehen kann ich ihn gut, obwohl ich mich, wie die regelmäßigen Leser dieses Blogs wissen, nicht für Fußball interessiere, weil der Sport kein Sport, sondern ein großer Verlieren- und Gewinnen-K(r)ampf für Proleten ist. Ein im Niveau von Bildzeitung etablierter Kommerz, auf den Millionen von Fans hereinfallen und sich hinterher und währenddessen besaufen und bekriegen. Im Grunde ein bisschen so wie die Römischen Spiele – etwas arg primitiv und vor allem stets asozial auf Gewinnen bedacht. Über Verlierer spricht man da nicht gerne.

Genau daraus ist Sebastian Deisler ausgestiegen und auch wenn er es im Interview noch nicht ganz auf den Punkt bringt, oder sich sehr diplomatisch verhält: im Hinterkopf weiß er, daß er ausgestiegen ist aus einem menschenverachtenden, geldgeilen System, weil er sensibel ist. Gerade daher passt das erste Foto von Daniel Biskup so gut zum Profil, welches mit der Kamera in die Seele des Menschen Deisler schaut. Ich schätze Herrn Deisler eben weil er sensibel ist in einer Welt, die immer wieder den harten und unnachgiebigen Menschen zum Leitbild wählt. Menschen wie Beckenbauer, die vor Arroganz nur so strotzen (meine Meinung) und Kommentare gibt wie „Einer der sich verkriecht und sich über seine Wehwehchen geklagt.“ (Zitat 2003 während einer Verletzungspause Deislers, Quelle: „Die Zeit“).

Auf die Frage der beiden sehr guten Interviewer Henning Sussebach und Stefan Willeke, ob Sebastian Deisler mal Sendungen im Fernsehen wie „Germany´s Nest Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ anschaut, anwortet Deisler: „Ist das jetz eine Fangfrage? Weil ich Germany´s Nest Fußballstar sein wollte? Ich ertrage diese Sendungen nicht. Wie sich die Kinder dort vom Urteil anderer Leute abhängig machen. Sich ihre Demütigungen abholen.“

Sebastian Deisler spricht mir aus der Seele. Ich empfinde seinen Ausstieg als ganz großen Schritt. Kompliment!

Foto: © M.Schlüter / pixelio!

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