Alles, Filme & Fernsehen, Katzen, Menschliches, Satire, Tiere
Schreibe einen Kommentar

Power Napping und Profi Viecher

Es ist letzten Mittwoch als ich einen Fototermin mit zwei Firmenportraits habe. Meine Frau kommt nach dem Termin Mittags nach Hause und buddelt im Garten. Das ist so eine Art Meditation für sie und macht ihr so viel Spaß wie mir das Kochen. Der Fototermin ist anstrengend gewesen und ich bin mittags ziemlich hinüber. Ich entschließe mich ein kleines Power Napping zu machen, um möglichst schnell wieder fit zu sein und die Bilder zu bearbeiten. Aus dem Power Napping werden 2 Stunden ausgedehnter Mittagsschlaf und als meine Frau ins Zimmer kommt, wache ich auf und sehe einen sehr frustrierten und vorwurfsvollen Blick, der so viel sagte wie: „Du hast ein hartes Leben Du armes Schwein!“

Da ich das nicht auf mir sitzen lassen kann, kontere ich mit Bildbearbeitung und die dauert bei mir schon mal bis in die tiefen Abendstunden.

22:00 Uhr – Bei unserer derzeitigen Lieblingssendung „Colombo“ schäft meine Frau in den ersten gefühlten 10 Sekunden ein, während ich keinen Schlaf finden kann bis der Film vorbei ist. Erstens ist die Sendung klasse und zweitens bin ich wach durch mein kleines Power Napping vom Mittag.

24:00 Uhr – Als ich endlich die Augen zu mache, höre ich sie. Die Profi Blutsaugerin schwebt über uns. Sie summt „sssss´ssss´sssss „und macht sich fertig für den Angriff. Es ist eine brutal warme Nacht mit übergezogener Bettdecke wird das Schlafen nicht wirklich angenehmer.

00:32 Uhr – Irgendwas juckt plötzlich am Bein. Ich wache auf, kratze, kratze fester und schlafe wieder ein.

00:35 Uhr – „Peng“ mache es und ich merke, daß ich schon wieder wach bin. Meine Frau hat mit der Hand auf Ihren Hals geschlagen, um die Mücke zu erwischen. „sssss´ssss´sssss „. Das Mistvieh hat den Angriff wohl erwartet und ist ganz Profi. Wir sind wach, schlafen aber sehr müde schnell wieder ein.

00:51 Uhr – Bis das Biest dann von oben in meinen Finger beißt und sich mit meinem Blut von dannen macht. Das juckt so extrem, daß ich mich entschließ etwas zu unternehmen. Ich muß dazu leider meine Frau wecken und die sagt so was wie: „Danke, daß Du mich weckst.“ Unsere Katzen haben es sich auf dem Bett bequem gemacht, aber das Licht weckt sie und wenn Katzen mitten in der Nacht erst mal wach sind, dann kann es heiter werden. „Und die Katzen sind auch wach!“ sagte mein Frauchen mit ordentlich Vorwurf in der Stimme, so als sei ich für die Mückenattacken verantwortlich. Meine Liebste Gattin verrät mir mit müden Augen, wo das Mückennetz im Keller an der Wand hängt. Ich gehe hinunter und hole nebst Netz auch einen weißen Haken und einen Handbohrer. Damit stelle ich mich auf die Matraze und bohre ein Loch, wo ich die Mitte über dem Bett vermute. Das Netz ist angebracht. „Schatz, möchtest Du auch unter dem Netz liegen?“. Ich weiß, daß meine Frau das Netz nicht mag und darunter zu wenig Luft zu bekommen glaubt. „Nein!“ antwort diese energisch. „Ich kann darunter nicht schlafen.“. „Ok“ sage ich und breite das Netz nur über meiner Hälfte des Bettes aus.

1:15 Uhr – Wieder macht es „Peng“ und ich frage nach kurzer Überlegung ob es vielleicht zu ironisch klingt: „Möchtest Du jetzt unter das Mückennetz?“. „Nein!!!“. Meine Frau hat einen festen Willen (wie alle Frauen) und ist offenbar wild entschlossen, sich aussaugen zu lassen.

1:31 Uhr – Als ich auf den Wecker gucke, kommt es mir vor, als hätte ich kaum geschlafen. Wieder hat es meine Frau erwischt und wieder hat sie mit lautem Handschlag irgendwo fest zugeschlagen. Die Mücke hat die Notwehr wieder überlebt. Offenbar ist sie mit allen Wassern gewaschen. Ich frage provokativ: „Und jetzt?“. Sie antwort: „Ok, breite das Netz mal aus.“. Immerhin habe ich jetzt die Chance noch 4:30 Stunden schlafen zu können, denn von nun an ist Ruhe. Die Lücke im Netz muß unbedingt geschlossen werden. Da hängt schon eine Wäscheklammer aber das reicht nicht. Diese Profiviecher kommen noch durch die kleinste Lücke und ein Bein ans Netz zu legen ist auch ausgeschlossen, weil die das merken und durch das Netz stechen.
Die großen Augen unserer Katzen verraten, daß sie noch nie unter so einem Netz geschlafen haben. Die Gesichter sind irgendwie belustigt und scheinen zu fragen: „Was soll denn der Mist?“. Ich schlafe trotzdem sofort wieder ein.

3:05 Uhr – Ich höre Schmatzen. Das ist nicht normal, denke ich. Wenn hier jemand schmatzt, dann bin ich das und ich höre das für gewöhnlich nicht wenn ich schlafe. Das Schmatzen kommt vom Fußende und ich denke: „Um Himmels willen. Nicht das auch noch!“. Wenn Katzen schmatzen und schlucken, dann kann man sicher sein, daß kurz darauf eine Lawine von Haaren und Fleisch aus ihrem Rachen speit. Unsere Scatti hat ziemlich lange Haare und kotzt mindestens einmal die Woche. Meine Frau fragt jedes Mal: „Warum kann die das nicht draußen machen?“. Wir wissen alle keine Antwort auf diese Frage. Immerhin wissen wir aber, daß die Kotze immer auf einer Decke oder einem Teppich landet. Das Tier kann nicht auf Laminat, Fliesen oder sonstige leicht abwischbaren Böden kotzen. Das ist unter ihrer Würde.
Als wir Scatti adoptierten brauchte sie sehr viel Liebe um ihr Fressen überhaupt anzurühren. Es musste ganz frisch sein, man musste es ihr zeigen, sie streicheln und zum Essen überreden. Im Grunde wollte sie wohl ein Petersilienblättechen oben auf dem Futter, um hinterher freudestrahlend zu zeigen: „Seht Ihr, ich esse das gerne, natürlich ohne die Petersilie.“.
Und als Scatti um 3:05 und 10 Sekunden ansetzt auf die Bettdecke zu kotzen, greife ich sie schnell im Nacken und versuche sie unter dem Netz hindurch auf den Boden zu setzen. Sie ist so angewidert von meinem Katzengriff, daß sie davon rennen will. Ich halte sie fest, weil sie sonst auf den nächsten Teppich kotzt, das ist ganz sicher. Das Festhalten gefällt ihr nicht und sie windet sich. Immerhin mit dem Erfolg, daß eine kleine Ladung vor meinen Füssen landet. Besser konnte es nicht laufen. Ich bin hellwach, Scatti ist hellwach, meine Frau ist hellwach und die andere Katze – Fiffi – natürlich auch. Meine Frau rennt ins Bad und organisiert Papier, um die Ladung wegzuwischen. Das ist nicht so einfach, denn man kann im Dunkeln nicht gut sehen. Bei Licht kneifen wir die Augen zusammen und sind noch hellwacher. Es ist keine große Ladung und wir erledigen das in gewohnter Routine. Hoffentlich kotzt sie nicht noch mal und sucht sich wieder eine neue Stelle auf dem Teppich, denke ich. Meist merkt man das erst, wenn man reingetreten ist und den Kram im ganzen Haus festgetreten hat.

4:30 Uhr – Ich wache auf. Die Katzen geben alles. Eine jagt die andere. Ich überlege jedes Mal, ob die spielen, oder ob die uns nur wecken wollen. Jedenfalls ist es das gewöhnliche Zeichen, daß die beiden raus wollen. Weil die Sonne aufgeht und die Mäuse auf sie warten. Wenn ich jetzt nicht öffne, dann springen die von Tisch zu Tisch und machen einen höllen Lärm, bis ich sie sowieso rauslasse. Ich entscheide mich die beiden auszusperren. Nur aus dem Zimmer, weil ich mich nicht erpressen lassen will.

4:50 Uhr – Erst höre ich ein Kratzen an der Türe, dann ein lautes Miau. Ich kann nicht mehr einschlafen. Immer wenn ich gerade einschlafe, höre ich das nächste Kratzen. Ich entschließe mich die beiden raus zu lassen. Nicht ohne den Hinweis: „Ich hoffe ihr wisst, daß nervende Katzen irgendwann auf dem Grill landen!“. Die beiden sind aber Profi-Mietzen und ignorieren das. Ich bin sicher, daß sie es verstehen, es aber ignorieren. Als ich Fiffi rauslasse, bleibt sie in der Türe stehen. Sie überlegt immer erst, ob da ein Feind ist, ob es nicht zu kalt ist oder zu naß. Sie entschließt sich nach einiger Überlegung, die mir im Schlafanzug wie Stunden vorkommt, nach draußen zu hopsen. Sie hopst immer über den Rost. Darüber zu laufen steht für Katzen außer Frage, denn das ist unangenehm unter den Tatzen. Scatti läuft um den Tisch, die Stühle und alle möglichen anderen Möbel, bevor sie in der Türe steht. Das sieht immer so aus, daß beide eine Vollbremsung im Türrahmen machen. So als wollten sie da stehen bleiben. Scatti kann nicht anders. Ihr Kosename kommt von „Scarlet“ und der Name ist Programm. Ich gebe ihr eine leichte Entscheidungshilfe mit dem Fuß, welche sie mit einem beleidigten Maunzen quittiert.

5:15 Uhr – Ich schleppe mich zurück ins Bett und fühle mich hundemüde. Beim Blick auf den Wecker realisiere ich, daß ich noch genau 45 Minuten Schlaf erwarten darf.

6:00 Uhr – Der penetrante digitale Wecker macht mir schlagartig klar, warum ich ihn hasse. Alle digitalen Wecker dieser Welt haben den gleichen Klang, der vermutlich aus China kommt. Es ist nicht leicht das Ding nicht sofort aus dem Fenster in den sicheren Weckertot zu überführen. Meine Frau weiß das und drückt sofort auf den Schalter. Was nichts daran ändert, daß wir uns beide so fühlen, als ob wir 14 Tage Ferien brauchen.

Am gleichen Tag läuft wieder Columbo im Fernsehen. Ich erlebe nicht mal mehr den Anfang des Krimis. Immerhin sin die SuperKatzen wie immer gut drauf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.