Essen/Rezepte, Leben & Tod, Philosophie, Tiere
Kommentare 3

Philosophie

In jeder zweiten Webseite steht so was wie „Philosophie“ im Menü. Dabei scheinen die meisten der Betreiber dieser Webseiten nicht wirklich zu wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Ich will hier keine Aufklärung betreiben – Philosophie (das schreibt Wikipedia zum Begriff Philosophie) ist in meinen Augen eine Frage der Aufmerksamkeit – aber einige Auszüge sind interessant:

Die Firma Wiesenhof: hier verbirgt sich auf der Webseite unter der Hauptrubrik „Unternehmen“ auch die Unterrubrik „Philosophie“. Zitat vom heutigen Tage: „Ein klares Konzept für mehr Erfolg… Seit Jahren wird Geflügel immer beliebter – es ist leichter, geschmackvoller und unbeschwerter Fleisch-Genuss! Wenn Verbraucher in Deutschland sicheren Geflügel-Genuss wünschen, greifen sie zu WIESENHOF. Denn WIESENHOF setzt seit jeher besondere Maßstäbe in punkto Qualität, Sicherheit und Transparenz. Die Konzepte von WIESENHOF sind dabei stets wegweisend. So etablierte WIESENHOF bereits 1995 als erster Geflügelanbieter die Herkunfts-Garantie. Und lange bevor die Diskussion um Tiermehl begann, verzichtete WIESENHOF von sich aus auf den Einsatz von Tiermehl bei Hähnchenfutter. Neben diesen Maßnahmen
zeichnet sich WIESENHOF immer wieder durch die Entwicklung innovativer Geflügel-Produkte aus. …“

Wissen Sie jetzt was Philosophie ist? Wiesenhof versteht darunter wohl Fleisch-Genuss und Qualität, Sicherheit, Transparenz, Herkunfts-Garantie, Futter und innovative Geflügel-Produkte. Ich wundere mich vor allem über den Begriff „innovative Geflügel-Produkte“, weil ich immer dachte so ein Hähnchen ist ein Hähnchen. Scheinbar nicht? Vielleicht ist es doch schon Außerirdischer als wir alle denken?

Sicher noch erwähnenswert: Die Firma Wiesenhof schlachtet jeden Tag 300.000 Hühner (DIE ZEIT 09/2006). Das sind etwa 480 Tonnen Tiere am Tag. Die scheinen das logistisch schon gut drauf zu haben, oder? Man stelle sich vor, welch riesiger Betrieb das sein mag und wo fließt das ganze Blut eigentlich hin? Hat das tatsächlich etwas mit Philosophie zu tun? Schwer zu verkaufen so eine Massentötung…

Dieser Beitrag stellt nur meine persönliche Meinung dar. Wie alle Beiträge dieses Blogs (ausgenommen Kommentare). 

3 Kommentare

  1. Peter W. Sawatzki sagt

    Ich als Dr. phil. bin ja schon unendlich dankbar, dass man das nicht Filosofi schreibt.

    Blut ist im übrigen ein Lebensmittel. Die sogenannten Tiernebenprodukte, im Fachjargon auch das fünfte Viertel genannt, machen etwa 12-15% des Gesamterlöses der Fleischwirtschaft aus. Bei Geflügelblut ist die Weiterverwendung noch sehr gering, aber es gelangt auch schon zunehmend in immer mehr Speisen.
    Der berühmte „Hühnernudeltopf“ von Aldi, Lidl und Co. hat z.B. nur insofern etwas mit dem Huhn zu tun, als dass er zu einem beachtlichen Teil aus nicht weiter verwendbarem Geflügelfett besteht. Die lümmelige Fleischeinwaage von 8-12 Gramm pro Dose gibt auf jeden Fall nicht so viele Fettaugen her.
    Was in der Wurst ist, weiß sowieso keiner. Wurst zu machen, bedeutet die Kunst zu beherrschen aus Fett und Wasser Geschmack zu erzeugen, sagte einmal ein Branchenkenner.

  2. Peter Roskothen sagt

    Der eigentliche Knackpunkt ist nicht ob es 300.000 Hähnchen am Tag (das kommt übrigens aus DIE ZEIT, oder 30.000 am Tag sind. Oder wieviel Liter Blut. Ich bewundere dabei immer wieder Ihr Wissen, Herr Sawatzki. Aber es geht darum, wieviel Lethargie hat der Mensch das zu akzeptieren? Ich sehe dummerweise so Parallelen zu Nichthandlungen vor 60-70 Jahren und damit habe ich im Mement so meine Probleme. Ist es nicht auch eine Entscheidung nichts zu unternehmen? Nicht gegen die Judenverfolgung zu sein? Ich will Hähnchen nicht auf eine Stufe stellen mit Juden, um Himmels Willen, aber die Hinnahme der Bevölkerung mit der Organisation, der Massentötung scheint mir fast dieselbe. Ja, es geht nur um Tiere bei Wiesenhof, aber wie wenig Mitgefühl muß man haben um so viele Tiere zu züchten, zu töten und so organisiert zu liefern? Und dann in der Internetseite von Philosophie zu sprechen? Philosophie hat mit Moral zu tun, mit Ehtik, mit Nachdenken, Überprüfen, Überdenken, In Frage Stellen, mit Aufmerksamkeit. Ich denke der Firma Wiesenhof würde es besser zustehen die Philosophie in ein „Über Uns“ zu wandeln und offen über dieses Thema zu reden. Immerhin gibt es genug Menschen die zu glauben scheinen, daß Strom aus der Steckdose und Fleisch aus dem Kühlregal kommen. Ich weiß ich rede krass, aber das Thema lässt mich im Moment nicht los. Es ist krass, wie der Mensch mitmacht, verdrängt, organisiert, zusieht, gafft und regungslos im Konsum verharrt.

  3. Peter W. Sawatzki sagt

    Ich sehe nur, dass Hühnchen, Eier, Milch, Mehl, Schweinefleisch heute genau soviel kosten, wie in meiner Kindheit vor 40 Jahren. Das erkaufen wir uns mit den geschilderten Haltungsbedingungen. Ich würde auch lieber Biohähnchen kaufen, die vor Glück lächelnd quasi freiwillig in die Pfanne hüpfen und XXL-Eier, die drei Dotter von freilaufenden Hühnern haben. Aber ich kann das nicht bezahlen. Mit zwei kleinen Kindern bleibt einem nichts anderes übrig, als das günstigste zu holen. Und damit ist man mit schuldig an dieser Misere.

    Doch wer hat denn Schuld daran, dass wir heute ein Haushaltseinkommen haben, das um das Zehnfache höher ist, als das, was mein Vater vor 40 Jahren hatte und wir uns trotzdem nichts leisten können?

    Das Wort Philosophie stört mich in diesem Zusammenhang nicht wirklich. Es wird nur synonym für Denkweise verwendet. Es heißt ja auch Fast-Food und ich muss bei McDonalds trotzdem immer in der Schlange stehen.

    Wiesenhof liefert doch im Übrigen nur das, was wir kaufen. Nirgendwo steht ein Wiesenhof-Mitarbeiter und zwingt uns das Zeug zu kaufen.

    Dazu werden wir durch den Euro, die Wiedervereinigung, die hohen Mieten und die Energiekosten gezwungen.

    Das System ist krank, nicht die Verwendung des Wortes Philosophie.

    Mein Rat: Schreiben Sie doch der Firma Wiesenhof mal, wie Sie das sehen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.