Kommerz, Menschliches, Pech und Pannen, Satire
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IKEA-Erfahrungen

Um es vorab zu sagen: die Geister scheiden sich über IKEA. Die einen von uns sind völlig abgeturnt durch das schwedische Möbelhaus, die anderen begeistert. Ich bin selber ein Fan von IKEA, weiß aber noch nicht so ganz genau warum.

Wenn man zu IKEA fährt, dann kann das drei Gründe haben:

  1. Man ist kaufwütig und möchte neue Möbel oder Accessoires.
  2. Man zieht um und benötigt dringend eine Küche oder andere Möbel.
  3. Man hat eine Frau und die möchte dringend mal wieder hin. Sie gibt vor dieses oder jenes dringend zu benötigen.

Zumindest der dritte Grund führt vermutlich dazu, daß die Männer, die bei IKEA rumlaufen auch nicht glücklicher aussehen, als diejenigen, die bei der Post in der Warteschlange stehen.

Wenn man reingeht, dann wird man von einer freundlichen Treppe begrüßt, vor der noch eine Information aufgebaut ist. Letztere dient den ganz ausgetrockneten IKEA-Besuchern unter uns dazu, sich nach dem neuesten Katalog zu erkundigen, der sowieso meist gleich nebenan liegt. Oder dazu, die Kinder abzugeben, damit der Besuch quasi zum Urlaub wird.

Die Treppe ist nur ein „Teaser“. Danach beginnt das Labyrinth, welches in jedem IKEA Markt wieder anders angelegt ist. Es dient dazu, einem den Kopf zu verdrehen, die Orientierung zu verlieren und möglichst an allen Möbeln vorbeizugehen, stehen zu bleiben und das neueste Design anzusehen oder Wohnaccessoires einzukaufen. Wenn Sie ein Mann sind und aus Grund #3. zu IKEA gegangen sind, dann wird es Ihnen vermutlich so gehen:
Sie möchten nach langen vergeblichen Ausreden Ihrer Frau zu liebe mitgehen, schnurstracks dorthin, wo es das Vorgegebene gibt, es in den Korb legen oder bestellen für die Warenausgabe und zur Kasse zum Bezahlen. Statt dessen merken Sie beim Trepperaufgehen, wie Ihre Partnerin sie an der Hand nimmt und diesen glückseligen Gesichtsausdruck bekommt. Ein Gefühl, was Sie selbst nur kennen, wenn Ihr Urlaub vor der Türe steht. Statt dessen haben Sie ständig diesen Ruck im Arm, wenn Ihre Liebste vor Freude stehen bleibt und sogar zurück läuft. Das passiert übrigens nur wenige Meter nach der Treppe und kommt davon, daß Sie gedacht haben, es sei eine gute Idee Ihre Frau zu begleiten, damit sie nicht so viel Geld ausgibt. Aber das tut sie sowieso. Sie sind also nur der Fahrer und Einpacker. Nicht zu Vergessen: Sie sind Derjenige auf dem ständig rumgetrampelt wird, wenn Sie zur Kasse möchten, Ihre Frau aber noch etwas ganz Wichtiges entdeckt hat.

Für Männer ist IKEA nicht wirklich ein Paradies. Leider stehen nämlich nicht genügend Sofas herum, auf denen man ausruhen könnte. Außerdem muß man im Labyrinth einfach von vorne bis zur Kasse durch, kann also nicht mehr beim Zeitunglesen von seiner Hälfte aufgesammelt werden.

Überhaupt ist IKEA ein Kaufhaus, welches uns wie kein anderes konditioniert. Zuerst waren da diese Hamburgerketten. Die haben es geschafft, aus einem Restaurant einen Supermarkt für Hamburger zu machen, bei dem man zu völlig überhöhten Preisen auch noch Selbstbedienung hat, seinen Müll wegbringen und neuerdings auch sortieren muß und wo man genau weiß, wie man mit dem Auto seine Hamburger holt.

Diese Ketten sind Waisenhäuser im Vergleich zu IKEA. Wir alle wissen, daß es bei IKEA zwei Etagen gibt, durch die wir durch müssen. Wo wir nach wenigen Minuten so viel gesehen haben, daß uns der Kopf schwirbelt. Wo wir ständig die Abkürzungen suchen, die die Damenwelt komplett ignoriert. Und IKEA Fans – das ist wohl die größte mögliche Konditionierung – fahren in der Regel große Autos wie z.B. Kombis. Kein Zufall! Schon beim Autokauf sagt das Unterbewusstsein: Achtung, Du bist IKEA-Fan, also Kombi kaufen!

Daneben treffen wir im IKEA Haus vor allem häufig auf das ungewollte „Du“, was uns alle zu einer großen IKEA-Fangemeinde und -Familie macht. Und wir treffen auf die weltgrößte Ansammlung schwangerer Frauen. Warum so viele Schwangere dort sind weiß ich nicht. Es kann sein, daß es an den Hormonen hängt, oder daran, daß bei IKEA keine wochenlangen Wartezeiten zu vermelden sind für die dringenden Möbel. Oder an den Duftkerzen, die uns Männern (man lese auch Peter Sawatzkis Artikel…) quasi den Magen herumdrehen, an denen aber die allermeisten Frauen stehen bleiben, sie in die Hand nehmen und dran riechen, bevor sie in völliger geistiger Abwesenheit (Männer rauchen für diesen Gemütszustand einen Joint oder trinken vier Maß Bier) in den Einkaufswagen gelegt werden. Es scheint so, als ob hier heimlich Ferromone eingemischt sind, die die Damenwelt magisch anziehen. Diese Kerzen sind vermutlich eine ganz abgekartete Sache, jedenfalls nicht für die Männerwelt bestimmt.

Viele tolle Designs sieht man bei IKEA. Es kommt mir allerdings häufig so vor, als ob man es woanders schon mal gesehen hätte. Unwillkürlich stellt man sich die Frage, wer da von wem abkupfert. Neuerdings sind alle Fotos, Paravans etc. mit der von mir verehrten Audrey Hepburn bedruckt. Das sind die Ferromone für die Männerwelt. Ich vermute es gibt jetzt eine Invasion dieses schönen Fotos, unter dem nicht einmal der Name des Fotografen zu entdecken ist, in die deutschen Wohnungen. Mit Copyrights scheint man es bei IKEA nicht so zu haben. Aber ich schweife ab. Ich würde ja lachen, wenn im Werbevideo die Fotos statt der Weihnachtsbäume aus den Fenstern geworfen würden.

Wir sind nach all der Quälerei endlich an der Kasse und haben bei weitem mehr Artikel im Wagen als gedacht. Hier wird man sehr freundlich abkassiert. Interessanter Weise wird hier „Gesiezt“. Das scheint unlogisch, aber vielleicht ist man einfach vorsichtig bei der Menge Geld, die hier ungeplant gezahlt werden muß. Die Snacks gleich hinter den Kassen sind auch Schwedisch. Allerdings sind hier die Dinge nicht so billig. Die Preise und Größen der Baguettes erinnern unwillkürlich an Flughäfen. Nun muß man hier ja nicht anhalten, sondern kann ja mit allen schwedischen Utensilien gerne auch zum Kombi oder Großraumwagen gehen. Großer Vorteil: keine Chips oder Euro sind nötig für den Einkaufswagen. Und ach ja: es gab keine Musik beim Einkaufen – eine Wohltat. Lediglich die Durchrufe: „Die kleine Ina Smoerres möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden!“ mit nochmaliger Wiederholung, unterbrechen kurz den wunderbaren Einkaufsbummel von mehreren Kilometern Länge.

Bei der Warenausgabe gibt es im Grunde den ganzen Tag das gleiche Bild: viele Menschen denken, die Möbel passen in den konditionierten Kombi. Leider ist das nur sehr selten der Fall. Manche Abholer stehen vor schier unlösbaren Problemen, denn die Pakete sind zu lang oder zu breit und passen gar nicht rein. Natürlich steht hier so manche Partnerschaft vor großen Prüfungen. Als Scheidungsanwalt würde ich genau auf diesem Parkplatz der Warenausgabe meine Werbung schalten. Ganz oft sieht man fragende, verzweifelte Gesichter, in denen man förmlich lesen kann: soll ich die Heckklappe auflassen? Hätte ich mal ein Seil dafür mitgebracht! Wie kriege ich diese Arbeitsplatte rein? Warum lässt sich die Kopfstütze nicht rausziehen? Ist es besser die hintere Bank hochgeklappt zu lassen? Wohin schießt die Platte wenn ich bremsen muß? Wie war noch das zugelassene Höchstgewicht meines Autos? Scheint ganz schön tief zu liegen die Karre!

Sei es wie es ist, IKEA hat es geschafft, all diese Nahezuscheidungsgründe zu einem Kult zu etablieren, nach dem man sich zu sehnen scheint. Dabei ist unerklärlich wie vergesslich der Mann ist und wie er sich zum wiederholten Male zu einem Einkaufsbesuch überreden lässt. Und nicht zu vergessen: wie empfindlich Frauen reagieren, wenn man diesen Wünschen nicht nachkommt.

Beim Thema Vergessen fällt mir ein: wetten, daß der ursprüngliche Grund des Besuches nicht im Warenkorb lag und Sie ganz schnell wieder hin müssen? Keine Ausreden Männer!

4 Kommentare

  1. Grigory sagt

    Randori auf Schwedisch :-D
    Frauen müssen einfach vom Venus stammen. Wie können sie sonst beim Einkaufen bei IKEA solche Freude empfinden …

  2. Holger Ehrlich sagt

    Stimmt, Männer und IKEA passen ungefähr so gut zusammen wie die Möbelteile der IKEA-Bausätze. Als der Sohn noch ins Småland wollte, hatte man wenigstens mal zwei Stunden Ruhe und konnte im Restaurant etwas essen, aber die Zeiten sind jetzt auch vorbei. Zum Glück treibt es die Ehefrau nur noch selten dort hin …

  3. Stephanie sagt

    grübel ….mein Lebensgefährte sagt oft Samstags Nachmittags zu mir: Du sollen wir nicht mal wieder zu Ikea fahren ?
    Muss ich mir jetzt Sorgen machen ???
    Oder liegt das an den leckeren Schnitzel mit Pommes für 1,99 € die man Samstags Abends da bekommt ?????

    Kaufen tun wir übrigends selten was …nein auch keine Teelichter ! Höchstens mal ein Pflänzchen oder eine Lampe, Bettwäsche, Geschirr …….

  4. Peter, irgend etwas machst du verkehrt.
    Schick deine Frau zu Ikea und gehe selber ein Bier in der Altstadt trinken.

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