Arbeitsuche über fünfzig

Jun 08 2007

Die Sendung “Menschen Hautnah” auf dem WDR brachte heute eine höchstinterssante Sendung zu Menschen über fünfzig, die Arbeit suchen. Ein Flughafen sucht Mitarbeiterinnen für Schichtarbeit am Schalter, die nicht ganz so jung sind, weil die Fluktuation der jüngeren Mitarbeiter recht hoch ist. Von einer Vermittlerin, welche die Kandidaten im Vorfeld zum Gespräch einlädt und so für den Arbeitgeber am Flughafen (eine Fluglinie) vorsondiert, werden die Personen interviewt und es werden interessante Fragen gestellt.

Bei der Sendung wird wieder klar, daß Menschen mit besserem Selbstbewußtsein und mit Stil es wesentlich einfacher haben, einen Job zu bekommen. Während die Stilfrage sicherlich einfach zu begreifen ist, aber nicht in Wochen erlernt werden kann, ist leider Selbstbewußtsein immer gerade dann eine schwierige Sache, wenn jemand in Arbeitslosigkeit steht. Dann ist das Selbstbewußtsein oft zu Recht angeschlagen, denn man fühlt sich nicht gefragt, nicht bestätigt, man fühlt sich oft nutzlos. Ich sage das aus eigener Erfahrung, denn auch ich war in einer solchen Situation, aus der mir aber meine Frau, Eltern und liebe ehemalige Freunde sehr gut heraushalfen. Natürlich liegt es letztlich auch an einem selbst wie schnell man wieder auf die Beine findet. Aber die Hilfe von außen (vor allem auch die des Partners) ist extrem wichtig. Heutzutage liegt die kritische Altersgrenze in vielen Berufen schon bei 40 Jahren. Dann ist man angeblich oft überqualifiziert und aus Sicht einiger Arbeitgeber zu teuer. Dabei wird gerade die Erfahrung, der langjährige Umgang mit Kollegen und Kunden und das große Know-how unterschätzt. Interessant ist aber doch auch die oft größere Verbundenheit von älteren Menschen mit dem Arbeitgeber.

Heute denke ich daß ein Coach, jemand der etwas von Bewerbungen versteht, jemand der besonders gut ist in der Vermittlung, eine sehr gute Investition für Arbeitslose sein kann. Vermutlich ist aber in Deutschland, wo Dienstleistungen oftmals kostenlos erwartet werden, eine solche Hilfe nicht gut zu verkaufen. Ich bin immer wieder entsetzt, wie schlecht sich Dienstleistungen aller Art in Deutschland anbeiten lassen, während in den USA gerne auch hohe Summen für gute Leistungen gezahlt werden.

Eine der Frauen, die nicht angenommen wurde, und der ein Coach für Stil, Lebenswandel und Bewerbungen gut getan hätte, war auf Hartz IV angewiesen. Durch den Arbeitsvermittler wurde ein 1-Euro-Job angeboten und die Dame sagte, daß sie wisse, das Arbeitsamt könne Ihr nicht groß helfen. Ich bin der Meinung daß die 1-Euro-Jobs gerade für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen sehr wohl eine große Hilfe sein kann, denn man hat eine viel bessere psychologische Ausgangsposition für eine Bewerbung aus einer Tätigkeit heraus, als aus der Arbeitslosigkeit heraus. Das Selbstbewußtsein ist bei einer Begegnung im Bewerbungsgespräch ganz anders drauf.

Über Erfahrungen anderer im Kommentar (unten) würde ich mich sehr freuen.

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